Santuari de Lluc

Das Santuari de Santa Maria de Lluc (kastilisch Santuario de Santa María de Lluch), so der vollständige Name, ist ein Wallfahrtsort im Gebirge der Serra de Tramuntana im Nordwesten der spanischenBaleareninsel Mallorca und gilt als spirituelles Zentrum der Insel. Das Wort Santuari bedeutet „Heiligtum“. Es ist zu unterscheiden von Monestir für „Kloster“, so wird das Santuari de Lluc durch Patres verwaltet und nicht von Mönchen bewohnt.

Im Santuari de Lluc wird die Schutzheilige Mallorcas Mare de Déu de Lluc, die „Gottesmutter von Lluc“, in Form einer Schwarzen Madonnenstatue verehrt, die von den Einheimischen sa Morenita, „die Dunkelhäutige“, genannt wird. Der heilige Ort zählt pro Jahr fast eine Million Besucher, er ist Ziel zahlreicher Pilger. Seit 1974 ist er Endpunkt des alljährlich am ersten Samstag im August stattfindenden „Marxa des Güell a Lluc a peu“, einem gemeinsamen Marsch tausender meist junger Menschen von der Inselhauptstadt Palma nach Lluc.[2]

Neben dem Santuari befindet sich der Jardín Botánico de Lluc, ein nordöstlich der Hauptgebäude anschließender kleiner Botanischer Garten. Im Jahr 2011 lebten in der Siedlung Lluc, dem Santuari nebst Nebengebäuden, 41 Einwohner.

Lage und Beschreibung

Das Santuari de Lluc befindet sich 34 Kilometer nordöstlich von Palma (48 Straßen-Kilometer) auf 525 Metern Höhe über dem Meeresspiegel in einem Talkessel des Tramuntana-Gebirges in der Gemeinde Escorca. Es ist von über 1000 Meter hohen Bergen umgeben, so dem südwestlich von Lluc gelegenen Puig de Massanella (1364,9 Meter), dem Puig Tomir (1103,6 Meter) im Nordosten und dem Puig Roig (1003,1 Meter) im Nordwesten.[4] Die Gebäude des Santuari stehen an einem Sturzbach, dem Torrent de Lluc oder auch Torrent d’Albarca. Er entspringt unweit des Heiligtums am 771 Meter hohen Puig Ferrer östlich von Lluc. Westlich des Santuari vereinigt sich der Bachlauf mit dem Torrent des Gorg Blau zum Torrent de Pareis, der an der Meeresbucht Cala de Sa Calobra ins Mittelmeer mündet. Das Heiligtum von Lluc liegt am Fernwanderweg GR 221, wodurch Teile dieses Weges zum Pilgerpfadaufgewertet werden; das Refugi de Son Amer dient als Wanderunterkunft im Ort.

Das Hauptgebäude des Santuari besteht aus mehreren Flügeln, in denen ein Gymnasium mit Internat, ein Museum, eine Herberge, die Gemeindeverwaltung von Escorca sowie die Wallfahrtskirche untergebracht sind. Der Renaissance-Bau der 1691 vollendeten Kirche von Lluc, der Església de Lluc, trägt seit 1962 den Ehrentitel Basilica de Lluc. Vom Kirchentyp eine Kreuzbasilika, hat ihr Grundriss die Form eines lateinischen Kreuzes. Sie besitzt ein zentrales Kirchenschiff mit einem Tonnengewölbe und je drei Kapellen an den beiden Seiten. Das Zentrum des Kreuzes beherrscht eine reich verzierte und mit den Gemälden der zwölf Apostel geschmückte Kuppel mit aufgesetzter Laterne, in die Tageslicht eindringen kann. Als weitere Lichtquelle dient die Rosette über dem Hauptportal der Kirche, die innen beidseitig durch Orgelpfeifen eingefasst ist.

Die Bögen und Gesimse des Gebäudes sind aus Stein gefertigt, der in der Nähe des Santuaris gewonnen wurde. Das Langhaus der Kirche weist eine Länge von 28,28 Meter auf und ist 6,70 Meter breit. Am Querschiff beträgt die Breite der Kirche 13,45 Meter.[5] Der Innenraum nebst Chor ist mit goldener Ornamentik im Stil des Barock ausgestattet. Linksseitig an den Wänden des Querschiffs befinden sich Gemälde des Heiligen Franziskus und des Heiligen Sebastian. Ihnen gegenüber an der rechten Seite hängen die Bildnisse der Heiligen Catalina Tomàs und der Heiligen Teresa de Jesús.[6] Im Zentrum des reich mit Gold verzierten Hochaltars steht das von Mestre Jaume Blanquer stammende Gemälde der Gottesmutter von Lluc. Über dem Altar steht bogenartig ein Spruch aus dem Psalm 87 des Buches der Psalmenlateinisch FVNDAMENTA EIVS IN MONTIBVS SANCTIS – „Ihre Fundamente liegen auf den heiligen Hügeln“.

In einer der hinteren Seitenkapellen der Wallfahrtskirche befindet sich die Statue der Mare de Déu de Lluc. Die Schwarze Madonna steht erhöht auf einem Podest in einer verzierten Nische hinter dem Hauptaltar der Kirche. Sie ist umgeben von einem kleinen Altar, der innerhalb eines Rundbogens der Trennwand zum Langhaus, dem Hauptkirchenraum, eingelassen ist. Die Kapelle bietet Platz für die Gebete der Pilger. Die gotische Statue der Gottesmutter Maria aus dunklem Stein hält das Jesuskind im linken Arm und weist mit ihrer rechten Hand auf die Kindesfigur. Dem Kind ist die Nachbildung eines geöffneten Buches in seine Arme gelegt, auf dessen nach vorn gerichteten Seiten die großen Buchstaben „A“ und „Ω“ für „Alpha“ und „Omega“, die Symbole für Jesus Christus als dem Ersten und Letzten, eingraviert sind. Alpha und Omegasind der jeweils erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets.

Das Santuari de Lluc ist neben seiner Funktion als Wallfahrtsort auch durch seinen Knabenchor „els Blauets“ bekannt, der überregionale Berühmtheit erlangt hat und dort regelmäßig auftritt. Er setzt sich aus Schülern der Internatsschule Col·legi de Lluc zusammen, dem Gymnasium oder Kollegium des Santuari, dem auch ein historisches Archiv angeschlossen ist. Das Museum des Santuari de Lluc im ersten Geschoss des Hauptgebäudes beherbergt neben dem aus Schenkungen stammenden Schatz der Mare de Déu eine Sammlung von Fundstücken aus der Epoche des Talaiotikumsliturgische Gegenstände, religiöse und andere mallorquinische Gewänder und Kleidungsstücke, Keramiken, mittelalterliche und moderne religiöse Bildnisse sowie Gemälde aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Erwähnenswert ist eine Schenkung eigener Werke des 1912 geborenen und seit 1940 in Valldemossa wohnhaften Malers Josep Coll i Bardolet an das Museum aus dessen persönlichen Sammlung.[5] Zur Ansiedlung von Lluc gehören auch diverse touristische Einrichtungen. So wurden in den ehemaligen Herbergszellen für Pilger, den cel·les, 129 Gästezimmer und Apartments der heutigen Hostatgeria eingerichtet.[7] Nahe der Quelle sa Font Coberta südöstlich der Gebäude des Santuaris befindet sich ein Campingplatz.[8]

Etwas oberhalb der westlichen Außenwand des Hauptgebäudes des Santuari de Lluc ist an einer Felsplatte eine künstlerische Mehrfach-Sonnenuhr angebracht, die auf einer dreiteiligen vertikalen Platte mit den Maßen 3,20 x 1,80 Meter fünf Zifferblätter darstellt. Neben drei normalen Sonnenuhren für die wahre Orts- oder Sonnenzeit auf der mittleren Tafel und die Mitteleuropäische Zeit beziehungsweise die Mitteleuropäische Sommerzeit auf der rechten Seite der Platte befinden sich links unten eine Sonnenuhr zur Darstellung der babylonischen Stunden und darüber eine kanoniale Sonnenuhr mit einer historischen Stundenzählung zur Angabe der Gebetszeiten für Mönche oder Pilger. Die Beschriftung ist in mallorquinischer Sprache verfasst, das Baujahr am unteren Rand der mittleren Tafel als ANY MCMXCI – „Jahr 1991“ genannt. Die Mehrfach-Sonnenuhr wurde durch Professor Rafael Soler Gayá aus Palma konstruiert und in einer Werkstatt in Santanyí im Südosten Mallorcas auf Tafeln aus Kunstsandstein graviert.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Santuari_de_Lluc aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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