Torrent de Pareis

Der Torrent de Pareis ist ein nicht ständig wasserführender Sturzbach (Torrent) durch eine Schlucht auf der Baleareninsel Mallorca. Er befindet sich an der Nordwestküste der Insel in den Bergen der Serra de Tramuntana auf dem Gemeindegebiet von Escorca und mündet an der Bucht von Sa Calobra (Cala de Sa Calobra) ins Mittelmeer.

Der eigentliche Torrent de Pareis ist nur 3300 Meter lang und beginnt am Zusammenfluss des Torrent de Lluc mit dem Torrent des Gorg Blau.[1] Der Name bedeutet soviel wie „Doppelbach“, von Pareis = „Paar“, was wohl auf die beiden Quellbäche zurückzuführen ist. Der Punkt des Zusammentreffens dieser beiden Bäche wird s’Entreforc genannt. Ab dort überwindet der Torrent de Pareis einen Höhenunterschied von 180 Metern bis zur Mündung ins Meer.

Der östliche Quellbach des Torrent de Pareis, der Torrent de Lluc, entspringt etwa sechs Kilometer vor dem Zusammenfluss mit dem Torrent des Gorg Blau am Fuße des Berges Puig Ferrer (771 Meter Höhe). Die Quelle Font des Puig Ferrer liegt dabei circa 1400 Meter südöstlich der Gebäude des Santuari de Lluc, nahe der Straße von Escorca nach Pollença.

Daneben hat der Torrent de Lluc selbst einige Zuflüsse, die von Norden in ihn münden, wie den Torrent de Binifaldó, der sich vorher mit dem Torrent d’Alqueda vereint, und den Torrent des Boverons. Deren Quellen heißen in dieser Reihenfolge Font des PedregaretFont des Sementer de Mossa und Font des Poll. Weitere Quellen führen dem Torrent de Lluc, der die Senke Clot d’Albarca durchfließt, Wasser von Süden her zu. Der Höhenunterschied der Schlucht bis zum Torrent de Pareis beträgt 500 Meter.

Der Torrent des Gorg Blau entspringt am 1118 Meter hohen Puig des Tossals Verds und fließt aus Richtung Südwesten in Richtung Torrent de Pareis. Er ist heute ein Abfluss des Trinkwasser-Staubeckens Embassament des Gorg Blau, das neben dem zweiten Stausee Embassament de Cúber die Wasserversorgung der Inselhauptstadt Palma gewährleistet. Beide Staubecken sind durch den Canal des Embassaments miteinander verbunden. Beim Bau der Staubecken im Jahre 1972 wurde der Verlauf des Torrent des Gorg Blau, der einen Höhenunterschied von 627 Metern aufweist, leicht abgeändert.

Nahe dem Embassament des Gorg Blau befinden sich mehrere Quellen, deren Wasser teilweise nicht nur in den Stausee, sondern auch direkt in den Torrent des Gorg Blau abfließt, wie beispielsweise aus der Font de s’Escudella zwischen dem höchsten Berg Mallorcas, dem 1436 Meter hohen Puig Major, und dem 1108 Meter hohen Puig de ses Vinyes. Weitere Quellen befinden sich nördlich der Staumauer des Sees unweit des Baches. Größere Zuflüsse hat der Torrent des Gorg Blau nicht, was zur Folge hat, dass er, bedingt auch durch die Rückhaltebecken der Stauseen, nur nach sehr starken Regenfällen Wasser führt.

Naturschutzgebiet

Die Schlucht des Torrent de Pareis wurde mit Teilen der Schluchten des Torrent de Lluc und des Torrent des Gorg Blau am 16. Mai 2003 zum Naturdenkmal („Monument natural“) erklärt. Dieses liegt innerhalb einer geschützten Zone nach dem Naturraumgesetz vom 30. Januar 1991, Typ ANAI (Àrea natural d’especial interès), das fast das gesamte Gebiet der Serra de Tramuntana umfasst. Zudem ist ein Großteil der Landschaft ein Vogelschutzgebiet nach der Vogelschutzrichtlinie 79/409/EWG der Europäischen Union (Zona de Especial Interés para la Avifauna / ZEPA).[6]

Im 445,81 Hektar großen Naturschutzgebiet Monument natural dels torrents de Pareis, del Gorg Blau i de Lluc sind alle Aktivitäten verboten, die nicht mit dem Schutz des Gebietes vereinbar sind, beispielsweise das Sammeln von Gestein, das Campen außerhalb dafür vorgesehener Orte oder das Verändern der Wassersysteme. Sport- und Freizeitaktivitäten mit Beteiligung von über 20 Personen sind anmeldepflichtig, über 40 Personen genehmigungspflichtig, wie auch die Jagd und das Anbringen neuer Sicherungshaken beim Klettern in den Schluchten.

Flora und Fauna

Von den über 300 Pflanzenarten im Naturschutzgebiet sind etwa 10 Prozent endemische Arten, die nur auf den Balearen vorkommen. Neben allen Arten von Farnen, die auf Mallorca heimisch sind, gibt es hier Stacheliges Brachsenkraut (Isoetes histrix), Johannisbrotbäume (Ceratonia siliqua), Terpentin-Pistazien (Pistacia terebinthus), Bibernellen (Pimpinella bicknellii), Stechpalmen (Ilex aquifolium), Hauhecheln (Ononis crispa subsp. zschackei), Johanniskräuter (Hypericum hircinum subsp. cambessedesii), Felsenbirnen (Amelanchier ovalis), Brennnesseln (Urtica bianorii) und Veilchen (Viola jaubertiana).

Unter den Tieren bewohnen die Schluchten zunächst einige Vogelarten, darunter die häufig vorkommenden Felsentauben (Columba livia), die Blaumerlen (Monticola solitarius) und die Felsenschwalben (Ptyonoprogne rupestris). Ein Großteil des Tramuntana-Gebirges wurde auch zum Vogelschutzgebiet (ZEPA) erklärt. Im und um den Torrent de Pareis vorkommende Säugetiere sind Mauswiesel (Mustela nivalis), Baummarder (Martes martes), Waldmaus(Apodemus sylvaticus) und die verwilderte Hausziege (Capra aegagrus hircus). Endemisch vorkommende Tierarten sind der Balearische Tatzenkäfer (Timarcha balearica), eine Art aus der Familie der Schnirkelschnecken(Helicidae), die Iberellus balearicus, und die gefährdete Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis).

Tourismus

Die touristische Erschließung der nach der Samaria-Schlucht auf Kreta zweitgrößten Schlucht des Mittelmeer-Raumes begann mit dem Bau der 12,5 Kilometer langen Serpentinenstraße zur Cala de sa Calobra, die im Jahre 1935 fertiggestellt wurde. Bis dahin war die Bucht und die Schlucht des Torrent de Pareis nur durch Boote oder auf Wanderwegen erreichbar. Im heutigen Zeitalter des Massentourismus bieten viele Reiseunternehmen Bus- oder Schiffsausflüge an, auch in Kombination meist vom nächstgelegenen Hafen Port de Sóller aus.

Am Ende der Zufahrtsstraße an der Cala de Sa Calobra hat man sich auf die Touristenströme eingestellt. Es sind viele Gaststätten, Bars und einige Hotels entstanden. Selbst Parkplätze werden vermarktet, es gibt nur noch wenige kostenfreie Fahrzeug-Abstellmöglichkeiten. Dabei ist der kleine Ort am Strand und Schiffsanleger von Sa Calobra nicht das eigentliche Ziel der Besucher, einzig der Torrent de Pareis zieht die Menschen magisch an.

Wanderwege

Auch Kletterwanderungen durch die Schlucht des Torrent de Pareis erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Für die Gesamtdurchquerung mit dem Restaurant „Escorca“ im gleichnamigen kleinen Ort als Ausgangspunkt, am Kilometer 25,2 der Landstraße Ma-10, brauchen schnelle Wanderer, die mit anspruchsvollen Wegen vertraut sind, rund 3 ½ bis 4 Stunden. Im Durchschnitt sollte man fünf bis sechs Stunden einplanen,[7] wobei professionelle Wanderschuhe und Klettererfahrung unbedingte Voraussetzung sind. In Wanderführern wird diese Tour als die anspruchsvollste und gefährlichste der Insel bezeichnet.[8] Warnschilder weisen auf die Gefahren hin und inzwischen befindet sich am oberen Schluchteinstieg ein Kontrollhäuschen der Bergwacht.

Der Weg wird durch kleine Steinhaufen und Pfeile markiert. Im Hangbereich vor dem Einstieg in die Schlucht kommt es trotzdem häufig vor, dass Wanderer die Orientierung verlieren, da sowohl die Steinhaufen als auch die Pfeile zwischen dem dort stellenweise über den Weg wachsenden Dissgras kaum zu erkennen sind. Der Abstieg in die Schlucht erfolgt im Allgemeinen über die Bergflanke nordwestlich des Hangs und beansprucht bis zur Talsohle des Torrent de Lluc eine Zeit von etwa 45 Minuten.

Bei Regen oder kurz nach Niederschlägen ist der Torrent de Pareis nur äußerst schwer zu bewältigen. Zwar ist das Geröllbett der Schlucht im Sommer fast trocken, dennoch können schon kleine Regenfälle für glitschiges Gestein und Wasseransammlungen sorgen, die die Durchquerung plötzlich stark erschweren oder unmöglich machen. Jährlich gibt es etwa 70 Vorkommnisse in der Schlucht, vom Verirren über Abstürze bis zu tödlichen Unglücken, die oft Rettungsaktionen der mallorquinischen Bergwacht erfordern.[9] Mobilfunkempfang für Notrufe (112) innerhalb der Schlucht ist kaum vorhanden. Verschiedene Veranstalter bieten auch geführte Wanderungen entlang des Torrent de Pareis an.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Torrent_de_Pareis aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.