Drei wunderschöne Orte im Norden Spaniens – Zwischen Küstenstädten, grünen Hügeln und alten Pilgerwegen
Nordspanien ist die ruhigere, grünere Schwester des sonnigen Südens und genau deshalb so spannend als Reiseziel. Statt trockener Ebenen erwarten dich hier wilde Küsten, Hügel, Flüsse und Städte, in denen der Alltag oft noch wichtiger ist als das Postkartenmotiv.

In den Bars liegen Pintxos und Tapas in der Theke, vor den Türen rauscht der Atlantik und über allem hängt dieser leicht salzige Geruch von Meer. Zwischen Küstenstädten, Fischerdörfern und alten Pilgerwegen kannst du jede Reise ganz unterschiedlich planen, vom Stadtbummel bis zur Wanderung. Viele Orte fühlen sich selbst im Sommer entspannter an als die berühmten Küsten im Süden, im Frühling und Herbst gehört ein großer Teil der Atmosphäre fast dir allein.

Gleichzeitig sind die Städte gut angebunden, haben lebendige Kultur, moderne Infrastruktur und eine Küche, die oft zu den besten des Landes zählt. In diesem Artikel nehme ich dich mit nach San Sebastián, Santander und Santiago de Compostela, drei Zielen, die Nordspanien auf sehr unterschiedliche Weise zeigen. Vielleicht ist am Ende eines davon der Ausgangspunkt für deine nächste Reise in diese Region.
San Sebastián – Stadtstrand, Pintxos und Belle Époque Flair
San Sebastián, auf Baskisch Donostia, liegt im grünen Baskenland direkt an der Bucht von Biskaya und ist mit knapp 190.000 Einwohnern eine überschaubare Küstenstadt, die sich trotzdem sehr urban und lebendig anfühlt. Die berühmte Muschelbucht La Concha zieht sich wie ein geschwungener Halbmond vor der Stadt entlang, eingerahmt von den Stränden La Concha und Ondarreta, dahinter ragen Hügel, die du zu Fuß oder bequem mit der Bergbahn erklimmst, um den weiten Blick über Meer, Strandpromenade und die roten Dächer der Altstadt zu genießen.

Das Klima ist ganzjährig mild und feucht mit eher kühlen, oft regnerischen Wintern, angenehm frischen Sommern und viel sattem Grün, weil über das Jahr verteilt immer wieder atlantische Schauer durchziehen. Anreisen kannst du über den kleinen Flughafen von San Sebastián, über den größeren Airport Bilbao oder per Zug und Fernbus aus anderen Teilen Spaniens und Frankreichs, die Lage nahe der französischen Grenze macht die Stadt zu einem idealen Stopp auf Rundreisen entlang der Nordküste. Vor Ort bewegst du dich entspannt zu Fuß, mit dem Rad oder mit den Stadtbussen, denn vieles ist nah beieinander und das Zentrum mit den Vierteln Centro, Gros und Antiguo wirkt sehr kompakt.

Die Altstadt Parte Vieja liegt zwischen Hafen, Flussmündung und dem Hügel Urgull, hier reihen sich klassische Pintxos Bars und moderne Bodegas aneinander, in denen du an der Theke kleine Häppchen auswählst, dazu Wein, Txakoli oder Sidra bestellst und dich wie ein echter Foodie von Bar zu Bar treiben lässt. San Sebastián ist berühmt für seine Gastronomie, von traditioneller Eckkneipe über kreative Pintxos Lokale bis hin zu mehreren Sterne Restaurants, und du kannst Tage damit verbringen, neue Adressen zu testen, Märkte zu entdecken und Menüs del día auszuprobieren. Am Tag bieten sich lange Strandspaziergänge an der La Concha an, ein Bad im Sommer, Surfen an der wilderen Zurriola Bucht im Viertel Gros oder Spaziergänge auf den Hausbergen Urgull und Igueldo, wo dich Aussichtspunkte, ein kleiner Freizeitpark und ruhige Wege erwarten. Museen wie das San Telmo, Musikfestivals, das internationale Filmfestival, Jazzkonzerte und viele kleinere Events sorgen dafür, dass Kultur hier das ganze Jahr präsent ist und du auch abends immer Programm findest.

Preislich liegt San Sebastián eher im oberen Bereich, vor allem in der Hauptsaison, in sehr zentralen Lagen und in Szenebars, dafür bekommst du eine hohe Dichte an guten Lokalen, stilvollen Unterkünften und gepflegten Promenaden geboten. Die Stadt gilt als sicher, sauber und gut organisiert, viele Wege sind barrierearm gestaltet, auch wenn Steigungen, Kopfsteinpflaster in der Altstadt und die teils kräftigen Atlantikwinde ein wenig Aufmerksamkeit erfordern.
Santander – Bucht, Strände und entspannte Hafenstadt
Santander ist die Hauptstadt der Region Kantabrien und liegt an einer weiten, geschützten Bucht, die sich zum offenen Kantabrischen Meer hin öffnet und der Stadt einen maritimen, manchmal fast rauen Charakter verleiht. Die Stadt zählt rund 170.000 Einwohner und verbindet Hafenanlagen, Innenstadt, Strände und Wohnviertel auf engem Raum, was kurze Wege und viele unterschiedliche Eindrücke an einem Tag ermöglicht.

Das Klima ist typisch nordspanisch mit milden Temperaturen, viel Feuchtigkeit, häufigen Wolken und relativ wenigen Extremen, ideal für alle, die frische Luft, Meeresbrise und keine große Hitze mögen. Anreisen kannst du bequem mit dem Flugzeug über den Flughafen Seve Ballesteros, mit der Fähre aus Großbritannien oder mit Zug und Bus aus anderen Teilen Spaniens, viele Reisende kombinieren die Stadt mit einer Rundreise entlang der Nordküste.

In der Stadt nutzt du Busse, läufst viel zu Fuß und kannst mit etwas Planung auch das Rad einsetzen, vor allem entlang der Uferpromenade und auf den breiten Wegen Richtung Strände. Das Zentrum ist kompakt, die wichtigsten Viertel liegen dicht beieinander, und viele Straßen wurden in den letzten Jahren verschönert, sodass Bummel durch Einkaufszonen und über Plätze angenehm sind. Zu den bekanntesten Orten gehören die Strände von El Sardinero, die Halbinsel La Magdalena mit ihrem Palast, den Grünanlagen und Meerblicken, der Leuchtturm Cabo Mayor auf den Klippen sowie mehrere Miradores, von denen du weit über Bucht, Hafen und Küste schaust.

In der Innenstadt findest du Geschäfte, Cafés, Tapasbars und Restaurants, die sowohl frischen Fisch und Meeresfrüchte als auch klassische Gerichte aus Kantabrien servieren, oft in unkomplizierter, bodenständiger Atmosphäre. Typisch sind Gerichte mit Sardinen, Seehecht, Tintenfisch und Eintöpfe wie cocido montañés, dazu Käse, Joghurt und andere Milchprodukte aus dem grünen Hinterland, die du auf Märkten oder in kleinen Läden probieren kannst. In den letzten Jahren ist der Tourismus spürbar gewachsen, was sich in mehr Events, Kreuzfahrten, Kulturprogrammen und Hotelübernachtungen zeigt, ohne dass die Stadt ihren eher entspannten, nordspanischen Charakter verloren hätte.

Santander gilt insgesamt als sicher, die Preise liegen oft unter denen größerer Metropolen, wobei Unterkünfte mit Meerblick und sehr zentrale Restaurants natürlich mehr kosten. Wer möchte, nutzt die Stadt als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Berge der Picos de Europa, an die Küste nach Laredo oder Comillas oder ins grüne Hinterland mit kleinen Dörfern, Stränden und Wanderwegen, die das Bild von Kantabrien abrunden.
Santiago de Compostela – Altstadt, Kathedrale und Pilgerziel
Santiago de Compostela liegt in Galicien, etwas im Landesinneren, aber mit guter Anbindung an die Atlantikküste und andere Städte der Region, etwa A Coruña oder Vigo. Die Stadt ist Hauptstadt der autonomen Gemeinschaft Galicien und zählt rund 95.000 Einwohner, viele arbeiten in Verwaltung, Dienstleistung oder an der Universität, was der Stadt ein junges, gleichzeitig sehr traditionelles Gesicht gibt. Zwischen historischen Gebäuden, modernen Fakultäten und kleinen Parks wirkt Santiago kompakt, lebendig und doch oft erstaunlich ruhig.

Weltberühmt ist Santiago als Ziel des Jakobsweg. Die Kathedrale mit dem Schrein des Apostels Jakobus bildet den Mittelpunkt der Altstadt und zieht ganzjährig Pilger aus aller Welt an, die hier ihren Weg beenden oder beginnen. Rundherum liegen Plätze, Granithäuser, enge Gassen und Arkaden, in denen sich Bars, Läden und kleine Hotels verstecken. Wenn abends die Glocken läuten und die Beleuchtung angeht, entsteht eine sehr besondere Atmosphäre aus Pilgerrucksäcken, Studierenden, Reisegruppen und Einheimischen, die auf einen Kaffee oder Wein ausgehen.
Das Klima ist ozeanisch und deutlich feuchter als in vielen anderen Teilen Spaniens. Es gibt sehr viel Regen über das Jahr, milde Winter, nicht zu heiße Sommer und oft Nebel, der über die Dächer zieht. Dadurch wirkt Santiago grün, moosig und manchmal fast mystisch, du solltest aber eine gute Regenjacke und wasserdichte Schuhe dabeihaben. Anreisen kannst du mit dem Flugzeug, mit Zugverbindungen aus Madrid oder dem Norden und mit Bussen aus vielen galicischen Städten. Vor Ort ist die Altstadt gut zu Fuß zu erkunden, Busse bringen dich in Außenviertel, Wohngebiete und zu größeren Einkaufszentren.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören neben Kathedrale und Plätzen auch der Parque da Alameda mit Blick auf die Stadt, das Pilgermuseum und verschiedene Klöster und Kirchen. Santiago lebt vom Mix aus Pilgern, Studierenden, Einheimischen und Wochenendgästen, entsprechend bunt ist die Restaurant und Barlandschaft. Kulinarisch dominieren galicische Klassiker wie Pulpo a feira, Empanadas, Käse aus der Region, Fleischgerichte und eine große Auswahl an Meeresfrüchten aus den nahen Rías, oft in einfachen Lokalen mit fairen Preisen. Insgesamt liegt Santiago für viele angenehm im mittleren Bereich, vor allem wenn du etwas abseits der touristischsten Plätze isst und übernachtest. Die Stadt gilt als sicher, auch abends sind die Straßen rund um die Altstadt belebt, du solltest aber wie überall auf Wertsachen achten, besonders bei großen Festen oder im dichten Pilgertrubel im Sommer.

Deine Reise in den Norden Spaniens
San Sebastián, Santander und Santiago de Compostela zeigen drei Gesichter von Nordspanien, die du gut in einer einzigen Reise oder in mehreren Touren entdecken kannst. Du kannst am Stadtstrand spazieren, an einer Bucht frischen Fisch essen, durch Pilgergassen laufen und zwischendurch immer wieder ins Grüne oder an wilde Küsten fahren.

Vielleicht kombinierst du eine Woche mit mehreren Stopps, vielleicht suchst du dir ein Ziel heraus und erkundest von dort aus die Region. In jedem Fall wirst du merken, dass hier Meer, Berge, Regen und Sonne eine eigene Mischung ergeben, die sich sehr anders anfühlt als der bekannte Süden.
Warst du schon einmal im Norden Spaniens unterwegs und hast vielleicht eine dieser Städte besucht oder ganz andere Lieblingsorte entdeckt? Wir freuen uns jederzeit über deine Kommentare und deine persönlichen Tipps zu Reisen nach Nordspanien.