Mallorcas Kaktusfeigen: Was in den stacheligen Früchten steckt

Feigenkaktus mit zahlreichen reifen Kaktusfeigen vor blauem Himmel auf der Insel Mallorca

Kaktusfeigen auf Mallorca: So werden die ungewöhnlichen Früchte gegessen

Wer im Spätsommer über Mallorca fährt, kann sie kaum übersehen: Zwischen Trockensteinmauern, an Feldrändern und auf alten Grundstücken wachsen mächtige Feigenkakteen, an deren flachen grünen Trieben zahlreiche gelbliche, orangefarbene oder rötliche Früchte hängen. Es sind Kaktusfeigen, auf Mallorca und in anderen Teilen Spaniens seit langer Zeit ein vertrauter Anblick.

Auf den ersten Blick wirken die Früchte wenig einladend. Ihre Schale ist mit winzigen, kaum sichtbaren Stacheln besetzt. Darunter verbirgt sich jedoch ein saftiges, leicht süßliches Fruchtfleisch. Wer Kaktusfeigen probieren möchte, sollte deshalb wissen, wie man mit ihnen umgeht – denn die feinen Stacheln können den Genuss schnell unangenehm machen.

Halbierte und ganze Kaktusfeigen auf Pergamentpapier mit tropischem Flair.
Aufgeschnittene Kaktusfeigen mit leuchtend rotem Fruchtfleisch auf Mallorca – Bildnachweis: Ildar Imashev Stock-Datei-ID: 1346544305

Kaktusfeigen gehören zum Landschaftsbild Mallorcas

Der Feigenkaktus stammt ursprünglich nicht aus dem Mittelmeerraum, sondern aus Amerika. Nach der Entdeckung Amerikas gelangte die Pflanze nach Europa und verbreitete sich auch im Mittelmeerraum. Die trockenen und sonnigen Bedingungen auf den Balearen kamen ihr entgegen.

Heute wirken die Pflanzen an vielen Stellen, als hätten sie schon immer zu Mallorca gehört. Besonders in ländlichen Gebieten findet man große Bestände entlang von Mauern, Wegen und Grundstücksgrenzen. Früher wurden Feigenkakteen unter anderem als natürliche Begrenzung genutzt. Ihre dichten und stacheligen Triebe bilden schließlich eine Barriere, durch die man nicht ohne Weiteres hindurchläuft.

Auf Mallorca begegnet man der Pflanze auch unter dem Namen figuera de moro. Im Spanischen sind unter anderem Bezeichnungen wie higuera de pala oder für die Frucht higo chumbo gebräuchlich.

Reife, violette Kaktusfeigen an einem Kaktus auf Mallorca
Kaktusfeigen an einer stacheligen Opuntie – auch auf Mallorca wachsen die farbenfrohen Früchte – Bildnachweis: Arkadij Schell Stock-Datei-ID: 1297604858

Wann sind Kaktusfeigen auf Mallorca reif?

Besonders auffällig werden die Pflanzen gegen Ende des Sommers. Dann entwickeln sich aus den zuvor entstandenen Früchten zunehmend kräftige Farben. Je nach Sorte und Reifegrad können Kaktusfeigen gelb, orange, rot oder violett erscheinen.

Die Erntezeit liegt vor allem im Spätsommer und reicht in den Herbst hinein. Wann eine einzelne Frucht tatsächlich reif ist, lässt sich allerdings nicht ausschließlich an ihrer Farbe erkennen, da es unterschiedliche Varianten gibt.

Reife Früchte geben bei vorsichtigem Druck etwas nach und sollten weder völlig hart noch bereits matschig sein. Wer sie nicht direkt von einer Pflanze erntet, sondern auf einem Markt oder in einem Geschäft kauft, hat einen großen Vorteil: Die Früchte wurden normalerweise bereits so behandelt, dass ein großer Teil der problematischen feinen Stacheln entfernt ist.

Die kleinen Stacheln sind das eigentliche Problem

Die großen Dornen des Feigenkaktus sind offensichtlich. Tückischer sind die sogenannten Glochiden an den Früchten. Dabei handelt es sich um sehr kleine, feine Borsten mit Widerhaken, die sich leicht in der Haut festsetzen können.

Deshalb sollte man eine Kaktusfeige, die direkt von einer Pflanze kommt, niemals einfach mit der bloßen Hand greifen. Selbst wenn die Oberfläche auf den ersten Blick glatt erscheint, können noch zahlreiche winzige Stacheln vorhanden sein.

Traditionell werden die Früchte deshalb mit Hilfsmitteln geerntet und anschließend von den feinen Borsten befreit. Wer keine Erfahrung damit hat, ist mit bereits vorbereiteten Kaktusfeigen vom Markt oder aus dem Handel deutlich besser beraten.

Wichtig ist außerdem: Nicht jede Pflanze am Straßenrand darf einfach abgeerntet werden. Viele Flächen und Pflanzen befinden sich auf privatem Grund. Wer Kaktusfeigen selbst sammeln möchte, sollte deshalb vorher klären, ob dies erlaubt ist.

Wie isst man eine Kaktusfeige?

Ist die Frucht von ihren feinen Stacheln befreit, lässt sie sich relativ einfach vorbereiten. Häufig werden zunächst beide Enden abgeschnitten. Anschließend ritzt man die Schale längs ein und zieht sie vorsichtig vom Fruchtfleisch ab.

Das Innere kann anschließend direkt gegessen werden. Das Fruchtfleisch ist saftig und enthält zahlreiche harte Kerne. Diese sind essbar, werden von manchen Menschen aufgrund ihrer festen Konsistenz aber als gewöhnungsbedürftig empfunden.

Geschmacklich ist eine reife Kaktusfeige mild und süßlich. Je nach Sorte erinnert das Aroma ein wenig an Melone, Birne oder andere milde Früchte, besitzt aber einen eigenen Charakter. Besonders angenehm schmeckt sie gut gekühlt an einem heißen Tag.

Wer zum ersten Mal eine Kaktusfeige probiert, sollte keine extrem intensive tropische Süße erwarten. Gerade das dezente Aroma und die saftige Konsistenz machen ihren Reiz aus.

Was kann man aus Kaktusfeigen machen?

Kaktusfeigen müssen nicht ausschließlich roh gegessen werden. Das Fruchtfleisch lässt sich beispielsweise zu Marmelade, Gelee, Sorbet oder Desserts verarbeiten. Auch für Säfte und fruchtige Getränke kann es verwendet werden.

Da die zahlreichen Kerne bei manchen Zubereitungen stören, kann das Fruchtfleisch püriert und anschließend durch ein feines Sieb gestrichen werden. Dadurch erhält man eine glattere Fruchtmasse, die sich gut weiterverarbeiten lässt.

Eine einfache Variante für heiße Tage ist ein Kaktusfeigen-Sorbet. Dafür wird das vorbereitete Fruchtfleisch püriert und passiert, anschließend mit etwas Zitronen- oder Limettensaft abgeschmeckt und nach Bedarf leicht gesüßt. Danach wird die Masse gefroren und während des Gefrierens mehrfach durchgerührt oder in einer Eismaschine verarbeitet.

Auch in einem Obstsalat sorgt die kräftige Farbe einiger Sorten für Abwechslung. Dabei sollte die Kaktusfeige erst kurz vor dem Servieren vorbereitet werden, damit das saftige Fruchtfleisch frisch bleibt.

Kaktus mit zahlreichen roten Kaktusfeigen unter wolkenlosem Himmel.
Reife Kaktusfeigen an einem Feigenkaktus vor strahlend blauem Himmel auf Mallorca – Bildnachweis: bdsklo Stock-Datei-ID: 504118654

Wie gesund sind Kaktusfeigen?

Kaktusfeigen bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und liefern gleichzeitig verschiedene Nährstoffe. Dazu gehören unter anderem Ballaststoffe und Vitamin C sowie verschiedene Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.

Die genaue Zusammensetzung kann je nach Sorte, Reifegrad und Anbaubedingungen variieren. Kaktusfeigen können deshalb wie andere Früchte Teil einer abwechslungsreichen Ernährung sein. Übertriebene Gesundheitsversprechen sind allerdings nicht angebracht – aus einer traditionellen Frucht wird nicht automatisch ein Wundermittel.

Interessant ist vor allem die Kombination aus hohem Wasseranteil und Fruchtfleisch. Gerade im warmen Mittelmeerraum erklärt das ein Stück weit, warum die Früchte traditionell geschätzt werden.

Wer Kaktusfeigen zum ersten Mal isst, sollte es außerdem nicht gleich mit großen Mengen übertreiben. Die vielen harten Samen und Ballaststoffe sind für Menschen, die sie nicht gewohnt sind, mitunter gewöhnungsbedürftig.

Darauf sollte man beim Kauf achten

Wer Kaktusfeigen auf Mallorca kaufen möchte, sollte Früchte auswählen, deren Schale unbeschädigt und nicht matschig ist. Kleine Farbunterschiede sind dagegen normal und hängen unter anderem von Sorte und Reifegrad ab.

Da Kaktusfeigen druckempfindlich sein können, sollten sie vorsichtig transportiert werden. Auch bei gekauften Exemplaren empfiehlt es sich, beim ersten Anfassen aufmerksam zu sein. Je nach Verarbeitung können noch einzelne feine Borsten vorhanden sein.

Zu Hause können reife Früchte kühl gelagert und möglichst zeitnah gegessen werden. Wer sie gekühlt serviert, empfindet das Fruchtfleisch häufig als besonders erfrischend.

Auf Märkten lohnt es sich außerdem, nach der Herkunft zu fragen. Gerade auf Mallorca ist es interessant, Früchte aus regionalem Anbau zu probieren, wenn diese angeboten werden.

Eingang der Höhle vom Puig de na Penyal mit Blick auf dichte Vegetation und Kaktusfeigen im Sonnenlicht
Blick aus der Höhle vom Puig de na Penyal auf die grüne Landschaft Mallorcas – Bildnachweis: Marcel Rübesam

Nicht mit der normalen Feige verwechseln

Trotz ihres Namens hat die Kaktusfeige mit der klassischen Feige vom Feigenbaum botanisch wenig gemeinsam. Die gewöhnliche Feige wächst an einem Baum beziehungsweise Strauch der Gattung Ficus, während die Kaktusfeige die Frucht einer Opuntie ist.

Auf Mallorca findet man beide Pflanzen. Gerade im Spätsommer können deshalb sowohl normale Feigen als auch Kaktusfeigen angeboten werden.

Optisch besteht ohnehin kaum Verwechslungsgefahr. Kaktusfeigen wachsen direkt an den flachen, paddelförmigen Trieben der Opuntie, während normale Feigen an verholzten Ästen hängen.

Der Feigenkaktus hat auf Mallorca mit Problemen zu kämpfen

So robust die Pflanzen aussehen, unverwundbar sind sie nicht. In Spanien und auf den Balearen können Feigenkakteen von Schildläusen beziehungsweise Cochenille-Arten befallen werden. Ein starker Befall kann Pflanzen erheblich schwächen und ganze Bestände sichtbar schädigen.

Betroffene Pflanzen können weißlich-wollige Stellen zeigen. Teilweise verfärben sich die Kaktustriebe, trocknen aus und sterben schließlich ab. Dadurch haben sich manche Bestände im Mittelmeerraum in den vergangenen Jahren deutlich verändert.

Wer auf Mallorca unterwegs ist und vertrocknete oder auffällig weiß bedeckte Opuntien sieht, schaut deshalb möglicherweise nicht auf einen normalen Alterungsprozess, sondern auf einen Schädlingsbefall.

Das zeigt zugleich, dass selbst eine Pflanze, die hervorragend an Trockenheit angepasst ist, gegenüber eingeschleppten oder stark auftretenden Schädlingen empfindlich sein kann.

Reife, gelb-rote Kaktusfeigen wachsen an einem grünen Opuntien-Kaktus im Detail.
Typische Kaktusfeigen der Insel – Bildnachweis: Andrea Tabaro – iStock-Datei-ID: 2266295410

Warum der Feigenkaktus so gut zum mediterranen Klima passt

Ein Blick auf die Pflanze erklärt schnell, warum sie lange Trockenperioden bewältigen kann. Die flachen grünen Triebe können Wasser speichern, während die typische Form der Pflanze den Bedingungen trockener Gebiete angepasst ist.

Damit kommt der Feigenkaktus grundsätzlich mit Hitze und Trockenheit wesentlich besser zurecht als viele Pflanzen aus feuchteren Klimazonen. Genau diese Eigenschaften haben dazu beigetragen, dass sich Opuntien im Mittelmeerraum so erfolgreich etablieren konnten.

Allerdings bedeutet trockenheitsverträglich nicht, dass die Pflanzen ökologisch überall unproblematisch sind. Opuntien sind eingeführte Pflanzen und einige Arten können sich stark ausbreiten. Deshalb sollte man sie nicht eigenmächtig in der freien Natur anpflanzen oder Pflanzenteile entsorgen, aus denen neue Pflanzen entstehen könnten.

Kaktusfeigen zeigen eine andere kulinarische Seite Mallorcas

Zwischen Ensaimada, Sobrasada, Mandeln, Oliven und Zitrusfrüchten geraten Kaktusfeigen bei kulinarischen Entdeckungstouren über Mallorca leicht in den Hintergrund. Dabei gehören die großen Opuntien für viele Besucher längst zum vertrauten Bild der ländlichen Insel.

Besonders im Spätsommer und frühen Herbst lohnt es sich, auf Märkten und in Geschäften nach den Früchten Ausschau zu halten. Wer sie noch nie probiert hat, entdeckt eine Frucht, die optisch ungewöhnlich und geschmacklich überraschend mild ist.

Noch interessanter ist vielleicht die Geschichte dahinter: Die Pflanze stammt ursprünglich von einem anderen Kontinent und ist trotzdem zu einem festen Bestandteil vieler mediterraner Landschaften geworden.

Wer auf Mallorca an einer Trockensteinmauer vorbeikommt und dahinter einen riesigen Feigenkaktus voller orangefarbener Früchte entdeckt, weiß deshalb künftig auch, was dort wächst. Nur eines sollte man sich merken: Anschauen ist problemlos – beim Anfassen der Kaktusfeigen ist Vorsicht angesagt.

Habt ihr auf Mallorca schon einmal Kaktusfeigen probiert? Vielleicht kennt ihr sie vom Wochenmarkt, habt daraus Marmelade gegessen oder seid den winzigen Stacheln bereits unfreiwillig begegnet. Wir freuen uns über eure Erfahrungen, Zubereitungstipps und Geschichten in den Kommentaren.

  • AI-Assisted: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung vom Autor geprüft und redaktionell überarbeitet.