Meeresschildkröten auf Mallorca: Warum Abstand so wichtig ist

Meeresschildkröte unter Wasser im offenen Meer vor felsigem Hintergrund

Meeresschildkröten auf Mallorca: Wo sie leben und wie man sich richtig verhält

Türkisfarbenes Wasser, felsige Buchten und ausgedehnte Seegraswiesen machen die Gewässer rund um Mallorca zu einem vielfältigen Lebensraum. Wer beim Schwimmen, Schnorcheln oder während einer Bootstour aufmerksam ist, kann mit etwas Glück sogar einem ganz besonderen Meeresbewohner begegnen: Meeresschildkröten leben auch rund um Mallorca.

Junge Meeresschildkröte bewegt sich über den Sandstrand in Richtung Meer bei Sonnenaufgang
Frisch geschlüpfte Meeresschildkröte krabbelt über den Sand Richtung Meer – Bildnachweis: burcintuncer Stock-Datei-ID: 93046815

Am häufigsten kommt in den Gewässern der Balearen die Unechte Karettschildkröte vor. Eine Begegnung lässt sich allerdings weder planen noch garantieren. Meeresschildkröten sind Wildtiere, legen enorme Entfernungen zurück und tauchen dort auf, wo sie geeignete Bedingungen und Nahrung finden. Umso außergewöhnlicher ist es, wenn plötzlich ein Schildkrötenkopf aus dem Mittelmeer auftaucht.

Die Unechte Karettschildkröte ist rund um Mallorca am häufigsten

Die wichtigste Meeresschildkrötenart der Balearen ist die Unechte Karettschildkröte, wissenschaftlich Caretta caretta. Junge und halbwüchsige Tiere nutzen das Meer rund um die Inselgruppe als wichtiges Nahrungsgebiet.

Die Tiere verbringen einen großen Teil ihres Lebens im offenen Meer und können auf ihren Wanderungen gewaltige Entfernungen zurücklegen. Ein Teil der Schildkröten in den Balearen stammt aus dem Atlantik, andere Tiere stehen mit Populationen des östlichen Mittelmeers in Verbindung.

Gelegentlich werden in den Gewässern der Balearen auch andere Arten nachgewiesen. Dazu zählen die Grüne Meeresschildkröte und die Lederschildkröte. Für Urlauber ist eine Begegnung mit diesen Arten allerdings noch außergewöhnlicher.

Meeresschildkröte unter Wasser im offenen Meer vor felsigem Hintergrund
Meeresschildkröte schwimmt majestätisch durch das blaue Mittelmeer – Bildnachweis: OpiaKai Studio Stock-Datei-ID: 1411157685

Meeresschildkröten können rund um die gesamte Insel auftauchen

Einen bestimmten Mallorca-Strand, an dem jeden Tag Meeresschildkröten schwimmen, gibt es nicht. Die Tiere bewegen sich durch große Meeresgebiete und können theoretisch an unterschiedlichen Abschnitten der Küste Mallorcas auftauchen.

Sichtungen sind beispielsweise beim Schnorcheln, Tauchen oder von einem Boot aus möglich. Auch Fischer und Wassersportler begegnen den Tieren gelegentlich auf dem offenen Meer.

Wer eine Schildkröte entdeckt, sollte deshalb vor allem eines tun: Abstand halten und den Moment genießen. Das Tier sollte seinen Weg selbst bestimmen können und niemals für ein Foto verfolgt werden.

Meeresschildkröten müssen zum Atmen an die Oberfläche

Obwohl Meeresschildkröten ihr Leben größtenteils im Wasser verbringen, sind sie Reptilien und besitzen Lungen. Sie müssen deshalb regelmäßig an die Wasseroberfläche kommen, um Luft zu holen.

Genau dabei werden sie von Booten aus gelegentlich entdeckt. Für kurze Zeit erscheint der Kopf über dem Wasser, bevor die Schildkröte wieder abtaucht.

Wie lange ein Tier unter Wasser bleiben kann, hängt unter anderem von seiner Aktivität ab. Eine ruhende Schildkröte verhält sich vollkommen anders als ein Tier, das gerade schwimmt oder nach Nahrung sucht.

Mallorca wird inzwischen sogar zum Nistgebiet

Lange Zeit befanden sich die wichtigsten Nistgebiete der Unechten Karettschildkröte im Mittelmeer vor allem weiter östlich. In den vergangenen Jahren wurden jedoch zunehmend Nester an der spanischen Mittelmeerküste dokumentiert.

Auch die Balearen gehören inzwischen dazu. Das erste dokumentierte Nest einer Unechten Karettschildkröte auf den Balearen wurde 2019 entdeckt. Fachleute beobachten diese Entwicklung aufmerksam.

Steigende Temperaturen werden als wichtiger Faktor für die Ausweitung der Nistgebiete betrachtet. Damit könnten Strände im westlichen Mittelmeer künftig eine größere Bedeutung für die Fortpflanzung der Tiere bekommen.

Eine Schildkröte am Strand ist etwas Besonderes

Wer nachts oder am frühen Morgen eine große Meeresschildkröte am Strand entdeckt, sollte das Tier niemals bedrängen oder anfassen. Besonders während der möglichen Eiablage reagiert eine Schildkröte empfindlich auf Störungen.

Abstand ist deshalb entscheidend. Menschen sollten sich nicht vor das Tier stellen und seinen Weg zwischen Meer und Strand nicht blockieren.

Auch helles Licht kann problematisch sein. Blitzlicht, starke Taschenlampen und dichtes Herantreten für Fotos sollten vermieden werden. Stattdessen sollte eine ungewöhnliche Beobachtung den zuständigen Stellen gemeldet werden.

Auch Spuren im Sand können wichtig sein

Nicht immer bekommt man die Schildkröte selbst zu Gesicht. Manchmal können auffällige Spuren im Sand darauf hinweisen, dass ein Tier nachts den Strand betreten hat.

Solche Spuren sollten nicht absichtlich verwischt werden. Auch ein möglicher Bereich mit abgelegten Eiern darf nicht ausgegraben oder untersucht werden.

Fachleute können anhand der Spuren beurteilen, ob tatsächlich eine Meeresschildkröte an Land war und ob möglicherweise ein Nest angelegt wurde. Je früher eine entsprechende Stelle informiert wird, desto besser kann ein möglicher Nistplatz geschützt werden.

Auf einem verlassenen Sandstrand der Balearen liegt eine Caretta-caretta Schildkröte Balearen reglos im Sand.
Gestrandete Caretta-caretta Schildkröte am einsamen Balearenstrand – Bildnachweis: Davide Pesce – iStock-Datei-ID: 1930185211

Kleine Schildkröten brauchen einen freien Weg zum Meer

Wenn junge Meeresschildkröten schlüpfen, beginnt unmittelbar ein gefährlicher Abschnitt ihres Lebens. Die winzigen Tiere müssen vom Nest aus das Mittelmeer erreichen.

Künstliches Licht kann ihre Orientierung beeinträchtigen. Auch Menschen, Gegenstände oder andere Hindernisse am Strand können problematisch werden.

Wer zufällig schlüpfende Meeresschildkröten entdeckt, sollte sie deshalb nicht einsammeln und selbst ins Wasser tragen. Stattdessen ist Abstand wichtig und professionelle Hilfe sollte informiert werden. Fachleute können beurteilen, welche Maßnahmen tatsächlich notwendig sind.

Meeresschildkröten sollten niemals verfolgt werden

Eine Begegnung beim Schnorcheln ist für viele Menschen ein unvergesslicher Moment. Trotzdem sollte man einer Meeresschildkröte unter Wasser nicht hinterherschwimmen, um möglichst nahe an sie heranzukommen.

Das Tier sollte jederzeit genügend Platz besitzen, um aufzutauchen und wegzuschwimmen. Berühren, Festhalten oder Füttern sind ebenfalls tabu.

Wer ruhig bleibt und Abstand hält, hat häufig sogar das schönere Erlebnis. Statt einer gestressten Schildkröte sieht man ein Wildtier, das sich vollkommen natürlich in seinem Lebensraum bewegt.

Auch Boote können zur Gefahr werden

Meeresschildkröten müssen regelmäßig zum Atmen auftauchen und halten sich deshalb immer wieder nahe der Wasseroberfläche auf. Dort besteht die Gefahr einer Kollision mit Booten.

Verletzungen durch Wasserfahrzeuge gehören zu den Problemen, mit denen die Tiere im Mittelmeer konfrontiert sind. Besonders in stark befahrenen Küstenregionen ist deshalb Aufmerksamkeit wichtig.

Bootsführer sollten geltende Geschwindigkeitsbegrenzungen beachten und die Wasseroberfläche beobachten. Wird eine Schildkröte entdeckt, sollte genügend Abstand gehalten werden.

Fischernetze und Angelschnüre sind ein großes Problem

Eine weitere Gefahr sind verlorene oder zurückgelassene Netze und Angelschnüre. Schildkröten können sich darin verfangen und schwere Verletzungen erleiden.

Besonders problematisch ist, dass dünne Schnüre tief in das Gewebe einschneiden können. Von außen wirkt eine Verletzung möglicherweise weniger dramatisch, als sie tatsächlich ist.

Deshalb sollte man bei einer gefundenen Schildkröte niemals eigenmächtig versuchen, Schnüre oder Netze zu entfernen. Professionelle Rettungskräfte wissen, wie das Tier behandelt werden muss, ohne zusätzliche Verletzungen zu verursachen.

Plastikmüll kann für Schildkröten gefährlich werden

Auch Plastik im Mittelmeer stellt für Meeresschildkröten eine Gefahr dar. Schwimmende Kunststoffteile können mit Nahrung verwechselt und verschluckt werden.

Daneben können sich Tiere in Verpackungen, Schnüren und anderen Abfällen verfangen. Müllvermeidung an Land ist deshalb gleichzeitig Meeresschutz.

Für Urlauber bedeutet das eine sehr einfache Regel: Nichts am Strand oder im Meer zurücklassen. Wer bei einem Spaziergang ungefährlichen Müll findet und ihn sicher entsorgen kann, trägt ebenfalls zum Schutz der Küste bei.

Seegraswiesen sind wichtige Lebensräume im Mittelmeer

Rund um Mallorca befinden sich ausgedehnte Posidonia-Seegraswiesen. Sie gehören zu den wertvollsten Lebensräumen des Mittelmeers und bieten zahlreichen Tierarten Schutz und Nahrung.

Auch für die gesamte Nahrungskette im Meer sind gesunde Seegraslandschaften von großer Bedeutung. Gleichzeitig stabilisieren sie den Meeresboden und tragen zur außergewöhnlichen Klarheit vieler Buchten der Balearen bei.

Wer mit einem Boot unterwegs ist, sollte deshalb bestehende Regeln zum Ankern und zum Schutz der Posidonia beachten. Der Schutz des Lebensraums hilft weit mehr Arten als nur den Meeresschildkröten.

Eine Schildkröte am Strand muss nicht zurück ins Wasser getragen werden

Findet man eine verletzte oder geschwächte Meeresschildkröte, erscheint es zunächst logisch, sie sofort zurück ins Meer zu bringen. Genau das kann jedoch falsch sein.

Ein Tier kann beispielsweise einen Angelhaken oder Kunststoff verschluckt haben, unter einer Verletzung leiden oder krank sein, obwohl dies äußerlich kaum zu erkennen ist. Eine tierärztliche Untersuchung kann deshalb notwendig sein.

Auf den Balearen sollte bei einer Meeresschildkröte in Not die Notrufnummer 112 verständigt werden. Von dort wird die weitere professionelle Hilfe koordiniert.

Netze und Angelschnüre niemals selbst entfernen

Ist eine Schildkröte in einem Netz, einer Leine oder einem anderen Gegenstand verfangen, sollte man nicht daran ziehen oder versuchen, alles schnell abzuschneiden. Dadurch können schwere innere oder äußere Verletzungen verschlimmert werden.

Auch Angelhaken dürfen nicht eigenständig herausgezogen werden. Eine Schnur kann beispielsweise verschluckt worden sein und im Verdauungstrakt weiterlaufen.

Nach dem Anruf bei 112 sollte man deshalb die Anweisungen der Fachleute befolgen. Gut gemeinte Hilfe kann einem verletzten Tier ansonsten zusätzlichen Schaden zufügen.

Eine Meeresschildkröte niemals auf den Rücken drehen

Meeresschildkröten dürfen bei einer Rettung nicht auf den Rücken gelegt werden. Ihre Anatomie unterscheidet sich erheblich von der vieler Säugetiere und eine solche Position kann ihre Atmung stark beeinträchtigen.

Befindet sich ein geschwächtes Tier bereits an Land, sollte außerdem unnötiger Stress vermieden werden. Menschenansammlungen, Hunde und ständiges Berühren helfen der Schildkröte nicht.

Bis professionelle Hilfe eintrifft, sollten die Anweisungen der Rettungsstelle genau befolgt werden.

Auf Mallorca werden verletzte Schildkröten rehabilitiert

Auf den Balearen existiert ein professionelles Netzwerk für gestrandete und verletzte Meerestiere. Eine wichtige Rolle übernimmt dabei die Fundación Palma Aquarium.

Gerettete Schildkröten werden tierärztlich untersucht und je nach Verletzung behandelt. Dazu können Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren und bei Bedarf auch chirurgische Eingriffe gehören.

Ziel ist grundsätzlich die Rückkehr in die Natur. Sobald sich ein Tier ausreichend erholt hat, kann es wieder ins Mittelmeer entlassen werden. Einige Schildkröten werden dabei markiert oder mit Sendern ausgestattet, wodurch Forschende mehr über ihre Wanderungen erfahren können.

Eine Begegnung bleibt immer Glückssache

Wer im Mallorca-Urlaub unbedingt eine Meeresschildkröte sehen möchte, sollte keine falschen Erwartungen haben. Es gibt keinen Strand, an dem eine Schildkrötensichtung garantiert werden kann.

Auch bei Bootstouren oder Tauchgängen bleibt eine Begegnung Zufall. Gerade darin liegt jedoch der Reiz. Eine wild lebende Schildkröte ist kein Bestandteil eines geplanten Unterhaltungsprogramms.

Wer eine sieht, darf sich deshalb über einen außergewöhnlichen Moment freuen und sollte dem Tier anschließend genauso viel Ruhe lassen, wie es vor der Begegnung hatte.

Meeresschildkröten zeigen die wilde Seite Mallorcas

Mallorca wird häufig auf Strände, Buchten und Ferienorte reduziert. Unterhalb der Wasseroberfläche beginnt jedoch eine vollkommen andere Welt. Meeresschildkröten, Delfine, Fische und Seegraswiesen gehören zu einem komplexen Ökosystem, das für Urlauber meistens unsichtbar bleibt.

Gerade eine zufällige Begegnung mit einer Unechten Karettschildkröte erinnert daran, dass das Mittelmeer kein Swimmingpool, sondern Lebensraum unzähliger Tiere ist. Entsprechend respektvoll sollte man sich darin bewegen.

Wer Abstand hält, keinen Müll hinterlässt, geschützte Lebensräume respektiert und bei einem verletzten Tier professionelle Hilfe verständigt, kann bereits mit einfachen Maßnahmen zum Schutz beitragen. Vielleicht taucht dann während eines zukünftigen Mallorca-Urlaubs plötzlich ein kleiner Kopf aus dem Wasser auf – und sorgt für einen Moment, den man so schnell nicht vergisst.

Habt ihr auf Mallorca schon einmal eine Meeresschildkröte in freier Natur gesehen? War es beim Schwimmen, Schnorcheln oder während einer Bootstour? Schreibt eure Erfahrungen und Beobachtungen rund um Mallorcas Meeresschildkröten gerne in die Kommentare.


AI-Assisted: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung vom Autor geprüft und redaktionell überarbeitet.