Silvester auf Mallorca: wie ein spanischer Traubenbrauch, mediterrane Nächte und die Plaça de Cort in Palma den Jahreswechsel ganz besonders machen
Auf Mallorca gehört es an Silvester fast automatisch dazu, dass du irgendwann eine kleine Schale mit zwölf Weintrauben in der Hand hast. In Bars, auf Plätzen und in vielen Wohnzimmern liegen sie schon bereit, wenn sich Mitternacht nähert. Oft werden die Trauben schon am Nachmittag gekauft, gewaschen und in kleinen Portionen zurechtgelegt, damit später niemand hektisch herumfummeln muss. Die Idee ist einfach und trotzdem jedes Jahr wieder aufregend, weil die Sekunden kurz vor zwölf plötzlich wie ein kleines Ritual wirken, das alle verbindet.

Mit jedem Glockenschlag der Uhr steckst du dir eine Traube in den Mund, zwölf Schläge, zwölf Trauben, zwölf Wünsche für die kommenden Monate. Das klingt entspannt, ist aber in der Praxis gar nicht so leicht, weil du gleichzeitig kauen, schlucken und im Takt bleiben musst. Manche lachen schon nach der dritten Traube, andere schauen hochkonzentriert auf die Uhr und versuchen, nicht aus dem Rhythmus zu kommen. Wer es rechtzeitig schafft, dem soll das neue Jahr Glück bringen, und genau dieses kleine Kribbeln macht den Moment so besonders.
Die Tradition stammt ursprünglich aus Spanien und hat sich längst fest auf den Balearen etabliert. Heute ist sie auf Mallorca ein fester Silvesterbrauch, egal ob du mitten in Palma feierst oder eher ruhig in einem Dorf. Supermärkte verkaufen fertige „uvas de la suerte“, Hotels legen kleine Portionen auf die Teller, und viele Familien haben ihre ganz eigene Routine, inklusive „Plan B“, falls es mit dem Tempo nicht klappt. Auf der Plaça de Cort in Palma stehen Menschen dicht gedrängt vor dem Rathaus, das Glas Cava in der einen und die Trauben in der anderen Hand. Wenn dann die Glocken einsetzen, wird es für einen Moment stiller als erwartet, bis nach dem letzten Schlag ein Jubel losbricht, als hätte man gemeinsam eine kleine Prüfung bestanden.
Woher kommt der Brauch mit den 12 Weintrauben?
Die „doce uvas de la suerte“, die zwölf Glückstrauben, sind ein spanischer Silvesterklassiker. Historisch taucht die Tradition Ende des 19. Jahrhunderts in Madrid auf, wo wohlhabende Familien Champagner und Trauben zum Jahreswechsel genossen und die Leute auf der Straße begannen, es ihnen zum Spaß nachzumachen. So wurde aus einem Trend der „besseren Kreise“ schnell ein Brauch für alle, weil er leicht mitzumachen ist und sofort Stimmung macht. Richtig populär wurde das Ganze Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich die Idee in vielen Städten verbreitete und Mitternacht plötzlich überall nach Trauben schmeckte.
Eine oft erzählte Geschichte sagt, dass Winzer in der Region Alicante 1909 nach einer besonders guten Ernte begannen, die Trauben als Glücksbringer zu bewerben, um den Überschuss zu verkaufen. Ob das nun der entscheidende Auslöser war oder eher ein Verstärker, passt es perfekt zu dem, was den Brauch bis heute ausmacht: Er ist simpel, aber emotional. Seitdem gehört es in Spanien einfach dazu, zu Silvester um Punkt Mitternacht zwölf Trauben zu essen, und zwar im Takt der Glockenschläge. Jede Traube steht symbolisch für einen Monat im neuen Jahr, und wer alle rechtzeitig schafft, dem verspricht die Tradition Gesundheit, Erfolg und gute Zeiten, zumindest als kleines Glücksritual für den Start.

Auf Mallorca kam der Brauch gemeinsam mit anderen spanischen Silvestergewohnheiten an. Heute machen praktisch alle mit, vom Dorf im Inselinneren bis zu den Küstenorten, egal ob Hausparty, Hotelabend oder Feiern auf dem Platz. Viele Familien schälen und entkernen die Trauben schon am Nachmittag, damit es in der entscheidenden Minute keine Hektik gibt. Manche teilen die Trauben in kleine Schälchen auf, andere legen sie neben das Cava Glas, damit nichts verloren geht, wenn die Uhr plötzlich schneller tickt als gedacht. Fertig verpackte Traubensets mit genau zwölf Früchten findest du im Dezember in vielen Supermärkten, oft sogar in mehreren Varianten. Und ganz typisch mallorquin ist, dass am Ende alle lachen, auch wenn es nicht perfekt klappt, weil der Moment selbst zählt und nicht die perfekte Trauben Technik.
So feiert man Silvester auf Mallorca
Silvester heißt in Spanien „Nochevieja“, die „alte Nacht“. Der Abend beginnt meist ruhig zu Hause oder im Hotel mit einem langen Abendessen im Familien oder Freundeskreis. Viele planen das Dinner bewusst so, dass es gemütlich bleibt und niemand hetzen muss, weil später ja noch der Mitternachtsmoment wartet. Typisch sind mehrere Gänge mit Fisch oder Meeresfrüchten, Fleisch, Vorspeisen, Tapas und natürlich Süßes wie Turrón oder andere Weihnachtsnaschereien, die es zu dieser Zeit noch überall gibt. Dazu passen Cava, Wein oder einfach etwas Warmes für die, die danach noch rausgehen wollen. Viele sitzen noch am Tisch, wenn im Fernsehen die Live Übertragung der großen Glockenschläge aus Madrid startet, und plötzlich wird aus dem entspannten Essen ein Countdown, der alle kurz zusammenrücken lässt.

Auf Mallorca gibt es zusätzlich den lokalen Mittelpunkt in Palma. Gegen Mitternacht füllt sich die Plaça de Cort vor dem Rathaus. Hier hängt der berühmte Uhrturm, dessen Glockenschläge den Inselhauptstädtern den Takt vorgeben. Die Stadt organisiert Musik, Licht und meist ein kleines Rahmenprogramm, sodass sich die Stimmung langsam aufbaut und du überall kleine Schalen mit Trauben siehst. Sobald die ersten „cuartos“, die vorbereitenden Viertelschläge, ertönen, greifen alle zu ihren Trauben. Mit jeder der zwölf vollen Glocken wandert eine Traube in den Mund, dazu Gelächter, Zurufe und manchmal leichtes Chaos, wenn jemand hinterherhinkt oder zu früh anfängt. Direkt danach knallen Korken, es wird sich umarmt und es geht mit Musik und Feuerwerk weiter. Oft zieht es viele noch runter zum Parc de la Mar, weil der Blick auf die erleuchtete Kathedrale einfach perfekt zum Start ins neue Jahr passt, und die Nacht fühlt sich dort ein bisschen wie ein großes gemeinsames Fest an.
Auch außerhalb Palmas feiern viele Orte ähnlich. Gemeinden richten auf Dorfplätzen eigene Feiern mit Musik, Trauben und Cava aus, manchmal ganz schlicht, manchmal richtig mit Bühne, DJ und Countdown auf einer Leinwand. In Küstenorten wie Cala Millor, Alcúdia oder Santa Ponsa veranstalten Hotels Silvestermenüs und Partys. Dort bekommst du die Trauben oft direkt beim Dessert oder kurz vor Mitternacht an den Tisch oder an die Hotelbar geliefert, damit wirklich jeder bereit ist. Wenn du lieber ruhig feiern willst, kannst du einfach auf dem Balkon stehen, die Glocken einer nahen Kirche zählen, Trauben essen und das Feuerwerk über den Dächern beobachten. Genau das macht Mallorca so angenehm, weil du zwischen Trubel und Ruhe frei wählen kannst, und trotzdem überall dieses gemeinsame Ritual spürst.
Wie funktioniert das mit den Trauben ganz praktisch?
Theorie und Praxis sind an Silvester zwei verschiedene Dinge. In der Theorie nimmst du mit jedem Schlag der Uhr eine Traube, kaust und schluckst sie rechtzeitig, bevor die nächste Glocke kommt. Das klingt wie ein kleiner, eleganter Countdown. In der Realität stopfen sich viele die Trauben eher in die Backen und kauen später in Ruhe, weil die Glocken gefühlt immer schneller kommen, sobald es ernst wird. Einige zählen laut mit, andere konzentrieren sich nur auf den Rhythmus und merken erst nach dem letzten Schlag, wie viel sie da eigentlich im Mund haben. Wichtig ist nur, dass alle zwölf Trauben bis zum letzten Schlag in deinem Mund sind, sagen die Einheimischen, und genau dieser witzige Stressmoment gehört für viele schon dazu.

Weil das Timing eng ist, nutzen viele kleine, kernlose Trauben. Supermärkte und Markthändler bieten im Dezember extra Packungen mit zwölf kleinen Früchten an, manche schon geschält und ohne Kerne. Das spart Nerven und verhindert, dass du plötzlich noch Kerne ausspucken musst, während die nächste Glocke schon kommt. Wenn du in einer Ferienwohnung bist, kannst du die Trauben selbst vorbereiten. Praktisch ist, sie vorher zu waschen, zu entkernen und eventuell zu halbieren, vor allem wenn du weißt, dass du beim schnellen Essen schnell aus dem Takt gerätst. Manche legen sich die Trauben sogar in einer Reihe hin, damit sie nicht durcheinanderkommen, oder portionieren sie in einen Eierkarton, weil das erstaunlich gut funktioniert. Für Kinder unter fünf Jahren raten Ärzte in Spanien generell zur Vorsicht, weil ganze Trauben leicht verschluckt werden können. Sie empfehlen, die Früchte sehr klein zu schneiden oder auf Alternativen wie weiche Obststücke auszuweichen, damit der Spaß nicht in Hektik umschlägt.

Kleine Extra Bräuche mischen sich oft dazu. Manche tragen rote Unterwäsche für Glück in der Liebe, andere stecken einen Ring ins Glas Cava für Wohlstand, wieder andere stellen einen Eimer mit Wasser vor die Tür oder verbrennen kleine Wunschzettel. Solche Details sind von Familie zu Familie verschieden, und genau das macht die Nacht so lebendig. Das Herzstück des mallorquinischen Silvesters bleibt aber das Zählen der Glockenschläge mit den Trauben in der Hand, weil dieser Moment für ein paar Sekunden alle gleich macht. Und wenn du danach lachend mit vollen Backen anstößt, fühlt sich das neue Jahr sofort ein bisschen leichter an, fast wie ein kleiner gemeinsamer Neustart mit zwölf kleinen Versprechen.
Was Silvester auf Mallorca besonders macht
Der Reiz von Silvester auf Mallorca liegt in der Mischung. Du hast mediterranes Licht, oft mildere Temperaturen als in Nordeuropa und trotzdem klare Winterluft. Genau dieses Gefühl, dass Winter hier leichter wirkt, macht die Insel zum perfekten Ort für einen Jahreswechsel ohne dicken Jackenstress, aber mit echter Jahreszeitenstimmung. Tagsüber kannst du am Meer spazieren, durch Palma bummeln oder in den Bergen der Tramuntana wandern und siehst überall noch Weihnachtsbeleuchtung und Krippen. In Cafés laufen noch Weihnachtslieder, in den Schaufenstern glitzert Deko, und gleichzeitig tauchen schon die ersten Hinweise auf die Nacht auf, wenn Trauben Sets im Supermarkt liegen oder Restaurants ihre Menüs anpreisen. Abends sitzt du in einem Restaurant in der Altstadt, in einer Hafenbar oder bei Freunden und merkst, wie sich die Stimmung langsam von Weihnachten auf Jahreswechsel verschiebt. Es wird ein bisschen lauter, ein bisschen erwartungsvoller, und die Gespräche drehen sich plötzlich um Pläne, Vorsätze und das, was man im neuen Jahr endlich angehen will.

Kurz vor Mitternacht verbinden sich alle zu einem gemeinsamen Moment. In Madrid blicken Millionen zur Puerta del Sol, auf Mallorca hören alle auf ihre eigene Uhr. Wer in Palma ist, steht vor dem Rathaus, wer im Dorf feiert, hört die Kirchturmglocke, und wer im Hotel bleibt, schaut meist die Campanadas im Fernsehen. Das Schöne ist, dass es sich überall gleich anfühlt, egal ob du mitten im Gedränge stehst oder ganz ruhig im Wohnzimmer sitzt. Überall klirren Gläser und rascheln Traubentütchen. Für ein paar Sekunden ist die Insel wie synchronisiert, weil alle auf den gleichen Rhythmus warten, und danach kommt dieses kollektive Aufatmen, sobald der letzte Schlag durch ist.
Für Reisende ist dieser Brauch eine einfache Möglichkeit, sich mitten in die lokalen Traditionen zu stellen. Du brauchst nur ein kleines Päckchen Trauben und ein bisschen Mut, es mit dem Glockenschlagtempo aufzunehmen. Selbst wenn du niemanden kennst, hast du sofort ein Gesprächsthema, weil jeder entweder Tipps hat oder selbst schon scheitert und darüber lacht. Vielleicht feierst du danach noch in einer Bar, auf einer Hotelparty oder ziehst mit einer Flasche Cava ans Meer. Vielleicht bleibst du auch „nur“ auf dem Balkon und schaust auf die Lichter der Stadt. Egal wie du es machst, die zwölf Trauben gehören auf Mallorca fast immer dazu, weil sie den Übergang ins neue Jahr so simpel und gleichzeitig so besonders machen. Und genau deshalb fühlt sich der Start dort oft an wie ein kleiner, warmer Reset mit Inselgefühl statt Winterfrust.
Warst du schon einmal über Silvester auf Mallorca oder irgendwo sonst in Spanien und hast bei den „doce uvas de la suerte“ mitgemacht? Wie hast du gefeiert und hat der Traubenbrauch für dich funktioniert? Wir freuen uns jederzeit über deine Kommentare und deine Geschichten zum Jahreswechsel auf der Insel.