Über den Dächern von Tiflis zeigt sich Georgiens Hauptstadt von ihrer schönsten Seite
Tiflis, international meist Tbilisi genannt, gehört zu den faszinierendsten Hauptstädten im Kaukasus. Die Stadt zieht sich entlang des Flusses Mtkvari durch ein Tal und verbindet jahrhundertealte Kirchen, orientalisch anmutende Bäder, geschnitzte Holzbalkone und moderne Architektur auf ungewöhnlich engem Raum. Besonders in der Altstadt ist dieser kulturelle Mix beinahe an jeder Straßenecke sichtbar.

Tiflis ist keine Stadt, die man nur wegen einzelner Sehenswürdigkeiten besucht. Ihr Reiz entsteht aus den Kontrasten: über verwinkelten Gassen thront die Festung Narikala, unterhalb steigen Dampfschwaden aus den Schwefelbädern auf und wenige Minuten entfernt spannt sich die moderne Friedensbrücke über den Fluss. Dazu kommen eine ausgesprochen vielfältige georgische Küche, Weinbars, Märkte und Aussichtspunkte.
Für einen ersten Städtetrip nach Tiflis sind drei Tage angenehm. Wer zusätzlich Mtskheta, Weinregionen oder weitere Ziele rund um die Hauptstadt besuchen möchte, sollte vier bis fünf Tage einplanen.

Die Altstadt von Tiflis ist das Herz der Reise
Die Altstadt von Tiflis lässt sich am besten ohne strengen Zeitplan entdecken. Schmale Straßen ziehen sich zwischen Häusern mit hölzernen Balkonen den Hang hinauf, hinter Torbögen verstecken sich Innenhöfe und immer wieder öffnen sich überraschende Blicke auf Kirchen, Narikala oder den Fluss. Die Architektur erzählt von unterschiedlichen kulturellen Einflüssen, die Tiflis über Jahrhunderte geprägt haben.
Besonders schön ist ein Spaziergang am frühen Morgen. Dann sind viele Gassen noch ruhig und man kann die alten Balkone, Fassaden und Innenhöfe wesentlich entspannter betrachten.
Später am Tag erwacht das Viertel vollständig. Kleine Restaurants, Weinlokale, Cafés und Souvenirgeschäfte öffnen und rund um Meidan entsteht deutlich mehr Leben.
Abanotubani – dort steigt der Schwefeldampf aus der Erde
Zu den bekanntesten Bereichen der Altstadt gehört Abanotubani, das historische Bäderviertel. Schon von außen erkennt man die charakteristischen niedrigen Backsteinkuppeln, unter denen sich die traditionellen Schwefelbäder befinden. Die heißen Quellen sind eng mit der Geschichte und der Gründungslegende von Tiflis verbunden.
Der Name der Stadt wird mit dem georgischen Begriff für „warm“ beziehungsweise „warmer Ort“ in Verbindung gebracht. Der Legende zufolge entdeckte König Wachtang Gorgassali hier heiße Quellen und ließ daraufhin eine Stadt errichten. Historisch entwickelte sich Tiflis anschließend zu einem bedeutenden Zentrum der Region.
Heute gehören die Schwefelbäder von Tiflis zu den klassischen Erlebnissen einer Reise. Neben gemeinschaftlich genutzten Bereichen bieten viele Häuser private Baderäume an.
Ein Schwefelbad gehört zu den besonderen Erlebnissen in Tiflis
Wer genügend Zeit hat, sollte nicht nur die Kuppeln fotografieren, sondern selbst ein Schwefelbad ausprobieren.
Das Wasser besitzt einen charakteristischen Geruch, der an Schwefel erinnert und spätestens beim Betreten des Bades deutlich wahrnehmbar wird. Die Temperaturen sind angenehm heiß und ein Bad ist besonders nach einem langen Stadtspaziergang entspannend.
Traditionell kann zusätzlich ein kräftiges Kisi-Peeling gebucht werden. Wer eine private Kabine möchte, sollte bei beliebten Badehäusern besser vorher reservieren.
Orbeliani-Bad – die auffälligste Fassade im Bäderviertel
Besonders fotogen ist das Orbeliani-Bad, das wegen seiner farbig gekachelten Fassade auch als buntes Bad bekannt ist.
Die blau dominierte Front mit dekorativen Mustern unterscheidet sich deutlich von den flachen Backsteinkuppeln der übrigen Bäder. Das heutige Erscheinungsbild erinnert an persisch und islamisch beeinflusste Architektur.
Direkt davor lohnt sich ein längerer Spaziergang durch Abanotubani. Von hier lassen sich Schwefelbäder, Wasserfall und Narikala hervorragend miteinander verbinden.

Leghvtakhevi – ein Wasserfall mitten in der Stadt
Nur wenige Schritte hinter den Schwefelbädern verengt sich die Landschaft plötzlich zu einer kleinen Schlucht. Ein Weg führt entlang des Wassers zum Leghvtakhevi-Wasserfall.
Die Felswände und das Grün wirken überraschend natürlich, obwohl man sich nur wenige Minuten von den belebten Straßen der Altstadt entfernt befindet. Die Schlucht gehört zu den bekanntesten Spazierwegen rund um Abanotubani.
Gerade im Sommer ist die Strecke angenehm, weil der Bereich etwas geschützter liegt als die offenen Plätze der Innenstadt.
Narikala – die Festung über Tiflis
Über der Altstadt erhebt sich die Festung Narikala. Ihre Mauern gehören zu den markantesten historischen Wahrzeichen der Stadt und bieten einen hervorragenden Blick über Tiflis.
Von oben erkennt man besonders gut, wie sich die Stadt entlang des Mtkvari durch das Tal zieht. Kirchenkuppeln, Altstadtdächer, moderne Gebäude und die umliegenden Hügel liegen nahezu gleichzeitig im Blickfeld.
Wer gut zu Fuß ist, kann Narikala über verschiedene Wege erreichen. Bequemer ist die Seilbahn vom Rike Park, die ebenfalls hinauf auf den Hügel führt.
Mit der Seilbahn über die Dächer der Stadt
Die Fahrt mit der Rike-Narikala-Seilbahn ist kurz, bietet aber schon unterwegs schöne Perspektiven auf Altstadt und Fluss.
Die Talstation liegt im Rike Park. Von dort schweben die Kabinen über den Mtkvari und Teile der historischen Innenstadt in Richtung Festung. Die Seilbahn gehört zum städtischen Verkehrssystem.
Oben angekommen lassen sich Narikala, die Mutter-Georgiens-Statue und Wege Richtung Botanischer Garten miteinander verbinden.
Kartlis Deda – die Mutter Georgiens
Unübersehbar steht oberhalb der Altstadt die monumentale Statue Kartlis Deda, die „Mutter Georgiens“.
In einer Hand hält sie eine Schale Wein als Zeichen der Gastfreundschaft, in der anderen ein Schwert als Symbol der Verteidigungsbereitschaft. Damit soll sie zwei Eigenschaften verkörpern, die mit der georgischen Selbstwahrnehmung eng verbunden sind.
Von der Umgebung der Statue bietet sich erneut ein großartiger Blick über Tiflis.
Botanischer Garten – Natur direkt hinter Narikala
Hinter dem Festungsberg liegt der Nationale Botanische Garten von Tiflis. Er erstreckt sich über eine große Grünfläche und beherbergt Tausende Pflanzenarten aus unterschiedlichen Regionen der Welt.
Wege führen durch bewaldete Bereiche, entlang von Hängen und zu kleinen Wasserfällen. Gerade nach mehreren Stunden in der dicht bebauten Altstadt ist der Garten eine angenehme Abwechslung.
Wer Narikala und Botanischen Garten miteinander kombiniert, sollte allerdings bequeme Schuhe und ausreichend Wasser dabeihaben. Einige Wege besitzen deutliche Steigungen.
Friedensbrücke – modernes Tiflis über dem Mtkvari
Zu den auffälligsten modernen Bauwerken gehört die Friedensbrücke, die die beiden Ufer des Mtkvari miteinander verbindet.
Ihre geschwungene Konstruktion aus Glas und Stahl bildet einen starken Kontrast zu Kirchen, Festungsmauern und traditionellen Wohnhäusern der Altstadt. Genau diese Mischung aus Alt und Neu gehört zu den charakteristischen Seiten Tiflis’.
Besonders am Abend lohnt sich der Spaziergang über die Brücke, wenn die moderne Architektur beleuchtet ist und sich die Lichter im Fluss spiegeln.

Rike Park verbindet Altstadt und moderne Architektur
Direkt an der Friedensbrücke liegt der Rike Park.
Von hier startet die Seilbahn nach Narikala, gleichzeitig bietet der Park schöne Perspektiven auf Metekhi, die Altstadt und den Fluss.
Wer einen langen Stadtrundgang plant, kann den Bereich hervorragend als Verbindung zwischen Friedensbrücke, Metekhi und Narikala nutzen.
Metekhi-Kirche – eines der klassischen Tiflis-Panoramen
Auf einem Felsen über dem Mtkvari steht die Metekhi-Kirche. Gemeinsam mit der Reiterstatue davor gehört sie zu den bekanntesten Fotomotiven der Stadt.
Von der Umgebung der Kirche reicht der Blick auf Narikala, Abanotubani und die Häuser der Altstadt. Die Lage am steilen Flussufer macht Metekhi besonders eindrucksvoll.
Wer auf dem Weg zwischen Altstadt und Avlabari unterwegs ist, sollte hier unbedingt einen kurzen Stopp einplanen.
Sameba – die monumentale Dreifaltigkeitskathedrale
Auf einem Hügel östlich des Flusses erhebt sich die Sameba-Kathedrale, offiziell die Heilige Dreifaltigkeitskathedrale von Tiflis.
Der gewaltige Kirchenkomplex wurde erst in der jüngeren Vergangenheit errichtet und gehört heute zu den auffälligsten Sakralbauten der Stadt. Der Bau begann in den 1990er-Jahren und wurde Anfang der 2000er-Jahre fertiggestellt.
Von vielen Aussichtspunkten Tiflis’ ist die goldene Kuppel deutlich zu erkennen.
Wer die Kathedrale besucht, sollte auf angemessene Kleidung achten und Gottesdienste respektieren.
Kirchen, Moschee und Synagogen liegen erstaunlich nah beieinander
Tiflis besitzt eine lange Geschichte als multikulturelle Handelsstadt. Besonders rund um die Altstadt begegnen Reisende georgisch-orthodoxen Kirchen, einer Moschee und jüdischen Gotteshäusern auf relativ engem Raum.
Diese Nähe unterschiedlicher religiöser Traditionen gehört zu den besonders interessanten Seiten des historischen Tiflis.
Auch architektonisch wechseln georgische, persische, russische und europäische Einflüsse teilweise innerhalb weniger Straßen.
Sioni-Kathedrale – historische Kirche inmitten der Altstadt
Die Sioni-Kathedrale liegt unmittelbar im alten Zentrum und gehört zu den bedeutenden orthodoxen Kirchen von Tiflis.
Rund um die Kirche führen schmale Straßen Richtung Meidan und zum Fluss. In unmittelbarer Umgebung befindet sich außerdem das Tbilisi History Museum.
Gerade am frühen Vormittag ist dieser Teil der Altstadt besonders angenehm für einen ruhigen Spaziergang.
Tbilisi History Museum – Stadtgeschichte im alten Karawanserei-Gebäude
Wer die Geschichte Tiflis’ besser verstehen möchte, kann das Tbilisi History Museum besuchen.
Das Museum befindet sich seit den 1980er-Jahren in einem restaurierten historischen Karawanserei-Gebäude. Die Lage erinnert an die frühere Bedeutung Tiflis’ als Handelsplatz auf wichtigen Verbindungen zwischen Europa und Asien.
Die Ausstellung umfasst zahlreiche Objekte zur Entwicklung der Stadt und ist eine gute Ergänzung zu einem Rundgang durch die Altstadt.

Rustaveli Avenue – die repräsentative Seite der Hauptstadt
Eine völlig andere Atmosphäre bietet die Rustaveli Avenue.
Die breite Straße gehört zu den zentralen Achsen der modernen Innenstadt. Hier stehen repräsentative Gebäude aus dem 19. und 20. Jahrhundert, Kulturinstitutionen, Geschäfte, Hotels und Museen.
Wer aus der engen Altstadt kommt, erlebt diesen Wechsel besonders deutlich.
Rustaveli eignet sich gut für einen längeren Spaziergang am Nachmittag und lässt sich mit Freiheitsplatz und Nationalmuseum verbinden.
Georgian National Museum – Geschichte des ganzen Landes
Für Reisende, die sich intensiver mit Georgien beschäftigen möchten, gehört das Georgian National Museum zu den wichtigsten kulturellen Einrichtungen.
Der Museumsverbund umfasst zahlreiche Sammlungen und Häuser. Im Zentrum Tiflis’ befinden sich bedeutende Ausstellungen zur Archäologie, Geschichte und Kultur Georgiens.
Gerade wer Tiflis als Beginn einer längeren Georgien-Reise nutzt, bekommt hier einen guten historischen Hintergrund für spätere Besuche von Klöstern, Festungen und archäologischen Orten.
Dry Bridge Market – Antiquitäten, Bilder und kuriose Fundstücke
Ganz anders geht es auf dem Dry Bridge Market zu.
Der bekannte Flohmarkt ist eine Mischung aus Antiquitätenmarkt, Kunstmarkt und riesiger Sammlung kurioser Gegenstände. Alte Kameras, Münzen, Bücher, Schmuck, sowjetische Erinnerungsstücke, Gemälde und handgefertigte Produkte liegen auf Tischen oder Decken.
Wer gern stöbert, sollte genügend Zeit einplanen. Manche Besucher sind nach 20 Minuten fertig, andere verbringen hier einen halben Nachmittag.
Mtatsminda – Tiflis liegt einem hier zu Füßen
Für einen der weitesten Blicke über die Stadt lohnt sich der Mtatsminda-Berg.
Hinauf führt eine Standseilbahn. Auf dem Plateau befinden sich ein Freizeitpark, Gastronomie und mehrere Aussichtspunkte. Von dort lässt sich die enorme Ausdehnung Tiflis’ besonders gut erkennen.
Eine schöne Zeit für den Besuch ist der späte Nachmittag. Dann kann man die Stadt zunächst bei Tageslicht betrachten und anschließend beobachten, wie nach und nach die Lichter angehen.

Tiflis am Abend – wenn sich die Stadt völlig verändert
Nach Sonnenuntergang wird Tiflis besonders atmosphärisch.
Narikala, Kirchen, Brücken und zahlreiche historische Gebäude werden beleuchtet. Restaurants füllen sich und aus den Weinbars und kleinen Lokalen der Altstadt dringt Musik auf die Straßen.
Ein Spaziergang vom Schwefelbadviertel über Meidan und Friedensbrücke bis zum Rike Park gehört deshalb auch nach Einbruch der Dunkelheit zu den schönsten Unternehmungen.
Georgische Küche ist ein eigener Grund für die Reise
Kaum eine Reise nach Tiflis wäre vollständig ohne die georgische Küche.
Sie kombiniert Kräuter, Walnüsse, Käse, Teigwaren, Gemüse und Fleisch auf eine Weise, die sich deutlich von den Küchen Mittel- und Westeuropas unterscheidet. Zu den bekanntesten Gerichten zählen Khinkali, Khachapuri, Lobio, Pkhali, Mtsvadi und verschiedene Schmorgerichte.
In Tiflis reicht die Auswahl von einfachen Lokalen mit traditionellen Gerichten bis zu modernen Restaurants, die georgische Klassiker neu interpretieren.
Khinkali – Teigtaschen mit einer besonderen Essensregel
Khinkali gehören zu den berühmtesten Gerichten Georgiens.
Die großen Teigtaschen werden häufig mit gewürztem Fleisch und Brühe gefüllt. Es gibt inzwischen aber auch Varianten mit Pilzen, Käse oder Kartoffeln.
Traditionell nimmt man einen Khinkali mit den Fingern am gedrehten Teigzipfel, beißt zunächst vorsichtig hinein und trinkt die heiße Brühe aus dem Inneren. Danach wird der Rest gegessen.
Der dicke Teigknoten bleibt häufig auf dem Teller zurück.
Khachapuri – Käsebrot in vielen regionalen Varianten
Ein weiterer Klassiker ist Khachapuri, ein mit Käse gefülltes beziehungsweise belegtes Brot.
Je nach Region Georgiens unterscheiden sich Form und Zubereitung deutlich. Besonders bekannt ist das adscharische Khachapuri in Bootsform, in dessen Mitte Käse, Butter und Ei liegen.
In Tiflis kann man zahlreiche Varianten probieren und schnell feststellen, dass „Khachapuri“ eigentlich eine ganze Familie unterschiedlicher Gerichte bezeichnet.
Pkhali und Lobio zeigen die vegetarische Seite Georgiens
Auch ohne Fleisch lässt sich in Tiflis hervorragend essen.
Pkhali sind meist fein zerkleinerte Gemüsegerichte mit Walnüssen, Kräutern und Gewürzen. Lobio bezeichnet verschiedene Bohnengerichte und wird häufig mit Maisbrot, eingelegtem Gemüse oder frischen Kräutern kombiniert.
Dazu kommen Pilzgerichte, Käse, Salate und vegetarisch gefüllte Khinkali. Die georgische Küche bietet deshalb wesentlich mehr fleischlose Auswahl, als man zunächst vermuten könnte.
Churchkhela – süßer Snack aus Trauben und Nüssen
Auf Märkten und in kleinen Geschäften hängen häufig längliche Churchkhela.
Für die traditionelle Süßigkeit werden meist Nüsse auf eine Schnur gezogen und mehrfach in eingedickten Traubensaft getaucht. Anschließend trocknet die Masse.
Churchkhela eignet sich hervorragend als kleiner Snack unterwegs und gehört zu den typischen Mitbringseln aus Georgien.
Georgischer Wein gehört unbedingt dazu
Georgien besitzt eine außergewöhnlich lange Weintradition. Besonders bekannt ist die traditionelle Herstellung in großen Tonamphoren, den Qvevri, die in den Boden eingelassen werden. Diese Methode reicht mehrere Jahrtausende zurück.
In Tiflis gibt es zahlreiche Weinbars, in denen sich rote, weiße und bernsteinfarbene Weine aus verschiedenen georgischen Regionen probieren lassen.
Bekannte Rebsorten sind beispielsweise Saperavi und Rkatsiteli. Wer Wein mag, sollte wenigstens eine kleine Verkostung einplanen.

Die Supra ist mehr als nur ein großes Essen
Bei einer traditionellen georgischen Supra steht nicht nur das Essen im Mittelpunkt.
Mehrere Gerichte werden gemeinsam auf dem Tisch serviert, Wein gehört fast immer dazu und ein Tamada übernimmt als Tischmeister die Leitung der Trinksprüche. Die Supra besitzt eine wichtige gesellschaftliche Funktion und verbindet Essen, Gastfreundschaft und gemeinsames Feiern.
Wer die Möglichkeit bekommt, an einer echten Supra teilzunehmen, erlebt eine Seite Georgiens, die sich in einem gewöhnlichen Restaurant nur schwer nachbilden lässt.
Mtskheta – der klassische Tagesausflug von Tiflis
Nur eine kurze Fahrt außerhalb der Hauptstadt liegt Mtskheta, die frühere Hauptstadt Georgiens und eines der wichtigsten religiösen Zentren des Landes.
Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten gehören die Svetitskhoveli-Kathedrale und das Jvari-Kloster. Mehrere historische Bauwerke von Mtskheta gehören zum UNESCO-Welterbe.
Besonders eindrucksvoll ist der Blick vom Jvari-Kloster auf Mtskheta und das Tal.
Für einen klassischen Ausflug von Tiflis reichen ungefähr ein halber bis ganzer Tag.
Uplistsikhe und Gori lassen sich zu einer längeren Tagestour verbinden
Wer sich für alte Siedlungen und Geschichte interessiert, kann weiter westlich Uplistsikhe und Gori besuchen.
Uplistsikhe ist eine historische Höhlen- und Felsensiedlung, während Gori mit Festung und weiteren historischen Orten verbunden werden kann. Offizielle Reiserouten kombinieren beide Ziele häufig mit Mtskheta zu einem ganztägigen Ausflug.
Für diese Route sollte ein vollständiger Tag eingeplant werden.
Kachetien für Wein, Landschaft und kleine Städte
Östlich von Tiflis beginnt Kachetien, Georgiens bekannteste Weinregion.
Wer Wein nicht nur in einer Tifliser Bar probieren möchte, kann dort traditionelle Weingüter, Qvevri-Keller und Weinorte besuchen. Neben Verkostungen werden teilweise auch Kochkurse für Khinkali, Khachapuri oder Churchkhela angeboten.
Ein Tagesausflug ist möglich, deutlich entspannter wird es allerdings mit einer Übernachtung.
Stepantsminda und der Große Kaukasus
Für spektakuläre Berglandschaften zieht es viele Reisende Richtung Stepantsminda, häufig noch unter dem früheren Namen Kazbegi bekannt.
Die Fahrt führt über die Georgische Heerstraße in Richtung Großer Kaukasus. Für einen Tagesausflug ist die Strecke lang, weshalb mindestens eine Übernachtung angenehmer ist.
Wer seine Reise nach Tiflis mit Bergen verbinden möchte, erhält hier einen starken Kontrast zur lebhaften Hauptstadt.
Frühling und Herbst sind besonders angenehm
Für einen klassischen Tiflis-Städtetrip eignen sich Frühling und Herbst besonders gut.
Dann sind längere Spaziergänge durch Altstadt, Botanischen Garten und über die Hügel meist angenehmer als während der heißesten Sommerwochen. Auch die offizielle Tourismusinformation beschreibt Frühling und Herbst als angenehm warme Reisezeiten, während die Sommer in Tiflis heiß werden können.
April, Mai, September und Oktober sind deshalb gute Monate für eine Kombination aus Stadt und Ausflügen.
Tiflis im Sommer
Im Juli und August kann es in Tiflis sehr warm werden.
Wer zu dieser Zeit reist, sollte Besichtigungen möglichst auf Morgen und späten Nachmittag verteilen. Mittags bieten sich Museen, Restaurants oder ein Schwefelbad an.
Wasser, Sonnenschutz und leichte Kleidung gehören unbedingt ins Tagesgepäck.
Gleichzeitig sind die Sommerabende ausgesprochen angenehm, weil sich das Leben bis spät in die Nacht nach draußen verlagert.
Winter in Tiflis
Auch im Winter bleibt Tiflis ein interessantes Reiseziel.
Die Temperaturen sind deutlich niedriger, Schnee in der Stadt ist möglich, aber nicht ständig vorhanden. Schwefelbäder, georgisches Essen und Weinbars passen dafür besonders gut zu den kühleren Monaten.
Wer anschließend in die höheren Regionen des Kaukasus fährt, muss allerdings mit deutlich winterlicheren Bedingungen rechnen.

Vom Flughafen nach Tiflis
Der internationale Flughafen liegt außerhalb des Zentrums.
Für die Weiterfahrt stehen je nach Uhrzeit Taxi, Transferangebote und öffentliche Verkehrsverbindungen zur Verfügung. Da sich Fahrpläne und Angebote verändern können, lohnt es sich, die aktuelle Verbindung kurz vor der Reise zu prüfen.
Wer ein Taxi nutzt, sollte nach Möglichkeit eine etablierte App oder einen offiziell vermittelten Fahrdienst verwenden und den Preis vor Fahrtbeginn kennen.
Metro, Bus und Seilbahn machen die Stadt gut erreichbar
Tiflis besitzt ein Metro- und Busnetz, das besonders für längere Strecken praktisch ist. Die Metro wurde bereits in den 1960er-Jahren eröffnet und bildet bis heute einen wichtigen Teil des städtischen Verkehrs.
Viele zentrale Sehenswürdigkeiten der Altstadt liegen allerdings so nah beieinander, dass man sie besser zu Fuß entdeckt.
Aktuell kostet eine normale Fahrt im städtischen Verkehrssystem 1 GEL und beinhaltet innerhalb eines bestimmten Zeitraums Umsteigemöglichkeiten; für Besucher stehen außerdem zeitlich begrenzte Fahrkartenangebote zur Verfügung. Tarife können sich ändern und sollten vor einer Reise erneut geprüft werden.
Tiflis ist eine Stadt für gute Schuhe
Die Altstadt sieht auf der Karte kompakt aus, enthält aber steile Straßen, Kopfsteinpflaster und zahlreiche Treppen.
Zwischen Abanotubani, Narikala, Kartlis Deda und Botanischem Garten kommen schnell Höhenmeter zusammen. Wer bequem unterwegs sein möchte, sollte geschlossene Schuhe mit guter Sohle tragen.
Für größere Distanzen lässt sich die Wanderstrecke problemlos mit Metro, Taxi, Bus oder Seilbahn verkürzen.
Drei Tage in Tiflis – so lässt sich die Stadt gut entdecken
Am ersten Tag gehört die Aufmerksamkeit der Altstadt von Tiflis. Von Meidan geht es durch Abanotubani zum Wasserfall, anschließend hinauf nach Narikala und zur Mutter Georgiens. Für den Rückweg bietet sich die Seilbahn zum Rike Park an.
Am Abend passt ein Schwefelbad oder ein georgisches Restaurant.
Der zweite Tag beginnt rund um Metekhi und Sameba. Anschließend geht es über die Friedensbrücke Richtung Rustaveli Avenue, Dry Bridge Market und Nationalmuseum.
Am späten Nachmittag lohnt sich die Fahrt auf den Mtatsminda.
Der dritte Tag kann Mtskheta gehören. Wer lieber in Tiflis bleibt, verbringt den Vormittag im Botanischen Garten und den Nachmittag in Cafés, Weinbars und Museen.
Vier oder fünf Tage machen die Reise deutlich abwechslungsreicher
Mit einem vierten Tag lässt sich Kachetien besuchen oder eine längere Tour Richtung Uplistsikhe und Gori einplanen.
Ein fünfter Tag kann ganz entspannt bleiben. Gerade Tiflis ist eine Stadt, in der es sich lohnt, nicht jedes Zeitfenster mit Sehenswürdigkeiten zu füllen.
Ein langes Mittagessen, ein Marktbesuch, eine Weinverkostung und ein Abendspaziergang durch die beleuchtete Altstadt gehören mindestens genauso zum Erlebnis wie die bekannten Bauwerke.
Wo sollte man in Tiflis übernachten?
Für Erstbesucher ist die Altstadt rund um Meidan und Abanotubani besonders praktisch. Viele Sehenswürdigkeiten liegen direkt vor der Haustür und abends befinden sich Restaurants und Weinbars in kurzer Entfernung.
Rund um den Freiheitsplatz und Rustaveli ist die Lage ebenfalls zentral, wirkt aber städtischer und weniger verwinkelt.
Wer moderne Cafés, Restaurants und ein etwas anderes Wohngefühl sucht, kann auch Viertel außerhalb des unmittelbar touristischen Zentrums wählen.
Wegen der hügeligen Lage sollte man bei der Hotelwahl allerdings nicht nur auf die Entfernung in Metern achten. Eine Unterkunft, die auf der Karte sehr nah erscheint, kann einen kräftigen Anstieg entfernt liegen.
Praktische Tipps für den Tiflis-Urlaub
In Georgien wird mit dem Lari bezahlt. Kartenzahlung ist in Tiflis weit verbreitet, etwas Bargeld ist für Märkte, kleinere Geschäfte oder einfache Lokale dennoch praktisch.
Die georgische Schrift ist für deutschsprachige Besucher zunächst ungewohnt. In touristischen Bereichen findet man jedoch häufig zusätzlich lateinische Schreibweisen.
Kirchen sollten mit angemessener Kleidung betreten werden. In orthodoxen Gotteshäusern gelten je nach Ort zusätzliche Regeln, die am Eingang kenntlich gemacht werden können.
Im Straßenverkehr sollte man beim Überqueren größerer Straßen aufmerksam sein. Fußgängerwege und Unterführungen sind oft die angenehmere Möglichkeit.
Und wer im Hochsommer unterwegs ist, sollte den Höhenunterschied von Tiflis nicht unterschätzen: Ein kurzer Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit kann in der Mittagshitze deutlich anstrengender werden.

Häufige Fragen & Antworten für die Reise nach Tiflis
Ist Tiflis eine Reise wert?
Ja. Tiflis verbindet eine historische Altstadt, Schwefelbäder, Festungen, Kirchen, moderne Architektur und eine außergewöhnlich vielseitige Küche. Besonders die Mischung unterschiedlicher kultureller und architektonischer Einflüsse macht die Stadt interessant.
Wie viele Tage braucht man für Tiflis?
Drei Tage sind für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ideal. Vier bis fünf Tage erlauben zusätzlich Ausflüge nach Mtskheta oder in andere Regionen Georgiens.
Was muss man in Tiflis unbedingt gesehen haben?
Zu den wichtigsten Tiflis Sehenswürdigkeiten gehören Abanotubani, Narikala, Kartlis Deda, Friedensbrücke, Metekhi, Sameba, Rustaveli Avenue und der Dry Bridge Market.
Lohnt sich ein Schwefelbad in Tiflis?
Ja. Die Schwefelbäder gehören zu den bekanntesten Traditionen der Stadt und sind eng mit ihrer Geschichte verbunden. Besonders angenehm ist ein privater Baderaum nach einem langen Sightseeing-Tag.
Kann man Tiflis gut zu Fuß erkunden?
Die Altstadt lässt sich hervorragend zu Fuß entdecken. Wegen der Hügel, Treppen und teilweise steilen Straßen sollte man allerdings bequeme Schuhe tragen. Für weitere Strecken gibt es Metro, Busse und Seilbahnen.
Welcher Aussichtspunkt ist in Tiflis besonders schön?
Narikala und Kartlis Deda bieten hervorragende Blicke über die Altstadt. Noch weiter reicht das Panorama vom Mtatsminda-Berg.
Was sollte man in Tiflis essen?
Unbedingt probieren sollte man Khinkali, Khachapuri, Pkhali, Lobio und Churchkhela. Dazu passt georgischer Wein.
Ist georgischer Wein etwas Besonderes?
Ja. Georgien besitzt eine mehrere Jahrtausende zurückreichende Weintradition. Besonders bekannt ist die traditionelle Herstellung in Qvevri-Tongefäßen.
Welcher Tagesausflug lohnt sich von Tiflis am meisten?
Für einen ersten Aufenthalt ist Mtskheta besonders empfehlenswert. Die frühere Hauptstadt liegt nah bei Tiflis und besitzt bedeutende historische Kirchen und Klöster.
Wann ist die beste Reisezeit für Tiflis?
Frühling und Herbst eignen sich besonders gut für Stadtbesichtigungen. Im Sommer kann es sehr heiß werden, während der Winter kühler und ruhiger ist.
Braucht man in Tiflis einen Mietwagen?
Für die Stadt selbst nicht. Viele Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Für längere Rundreisen durch Georgien kann ein Mietwagen dagegen praktisch sein.
Tiflis ist dort am schönsten, wo Orient, Europa und Kaukasus ineinanderfließen
Tiflis als Reiseziel lässt sich schwer mit einer anderen europäischen Hauptstadt vergleichen. Dafür ist die Mischung aus alten georgischen Balkonen, orthodoxen Kirchen, persisch beeinflussten Bädern, sowjetischen Spuren und moderner Architektur zu ungewöhnlich.
Am Morgen kann man durch den Schwefeldampf von Abanotubani laufen, wenig später von Narikala über die Stadt schauen und am Nachmittag zwischen Antiquitäten auf dem Dry Bridge Market stöbern. Abends stehen Khinkali, Khachapuri und georgischer Wein auf dem Tisch, bevor die beleuchtete Altstadt noch einmal zu einem Spaziergang einlädt.
Gerade diese Mischung macht Tiflis zu einem Ort, den man nicht einfach nur besichtigt. Man muss sich durch die Gassen treiben lassen, in Innenhöfe schauen, unbekannte Gerichte bestellen und auch einmal eine Stunde länger in einer Weinbar sitzen als geplant.
Und wer nach einigen Tagen weiterreisen möchte, beginnt von hier aus eine der spannendsten Entdeckungsreisen im Kaukasus – zu den alten Kirchen von Mtskheta, den Weinregionen Kachetiens und den hohen Bergen im Norden Georgiens.